Das Zentrum der US-Chipfertigung muss künftig mit deutlich weniger Wasser auskommen. Nach mehr als einem Vierteljahrhundert „beispielloser" Dürre im Colorado-River-Becken konnten sich die Bundesstaaten nicht auf eine Verteilung des schwindenden Flusses einigen — im August legte das US-Innenministerium deshalb einen eigenen Plan fest. Er sieht drastische Kürzungen für die flussabwärts gelegenen Staaten Arizona, Nevada und Kalifornien vor. Am härtesten trifft es Arizona: Ab 2027 verliert der Staat mindestens 760.000 Acre-Feet Wasser pro Jahr. Ein Acre-Foot entspricht in der Region Phoenix etwa dem Jahresverbrauch von drei Haushalten; die Stadt Phoenix verbraucht rund 300.000 Acre-Feet jährlich.
Der Fluss liefert mehr als ein Drittel des Wassers des Bundesstaats. Arizona ist seit den Anfängen der Halbleiterindustrie ein Fertigungsstandort — und heute bauen TSMC und Intel dort riesige Fabriken aus, die fortschrittliche Chips für KI fertigen, ein wasserintensives Geschäft.
Die Zahlen sind eindeutig: Die Landwirtschaft verbraucht mehr als 70 Prozent des Wassers des Staates, die Industrie einschließlich der Chipfertigung nur 6 Prozent.
Fabs brauchen „ultrareines" Wasser, um Oberflächen zu reinigen und empfindliche Chips zu ätzen. Um eine kleinere Menge ultrareinen Wassers durch Deionisierung und Umkehrosmose zu gewinnen, ist mehr kommunales Wasser nötig: Eine typische Anlage kann täglich 10 Millionen Gallonen ultrareines Wasser verbrauchen — bis zu 16 Millionen Gallonen kommunales Wasser.
TSMCs erstes Werk in Arizona nutzt laut Unternehmen rund 4,75 Millionen Gallonen Wasser pro Tag, etwa so viel wie mehr als 14.000 Haushalte — rund 2 Prozent der Wohnungen in Phoenix. Mit jedem weiteren Werk steigt die Menge. 65 Prozent des in Arizona genutzten Wassers recycelt TSMC eigenen Angaben zufolge; mit einer Wasseraufbereitungsanlage sollen mindestens 90 Prozent erreicht werden. Intel plant mit einer staatlichen Förderung von 7,86 Milliarden Dollar 32 Milliarden Dollar für zwei neue Werke und eine Erweiterung in Arizona; seine Anlagen in Chandler entnahmen 2025 mehr als 2,7 Milliarden Gallonen Süßwasser.
„Es gibt nicht genug Wasser für alles, was wir damit tun wollen"
Kathryn Sorensen vom Kyl Center for Water Policy an der Arizona State University sagt, bei Knappheit müsse man prüfen, welche Wassernutzungen den größten Wert für die Gemeinschaft bringen: „Es gibt nicht genug Wasser für alles, was wir damit tun wollen. Also: Wofür haben wir genug? Welche Nutzungen schätzen wir am meisten? Baumwolle oder Mikrochips?"
Maricopa County, Sitz der Intel- und TSMC-Werke, ist weniger vom Colorado River abhängig als andere Regionen; wichtigste Ressource ist Grundwasser. Oberflächenwasser aus Colorado und Salt River macht aber fast 40 Prozent der Versorgung des Countys aus. Lokale Verantwortliche betonen, die Region sei vorbereitet und könne die Lücke mit unterirdischen Speichern und anderen Oberflächenquellen schließen. Sorensen erwartet dennoch steigende Wasserpreise: Der Umstieg auf alternative Ressourcen erfordere neue Infrastruktur wie Brunnen und Leitungen — der wichtigste Treiber höherer Preise.
Phoenix ist insofern ungewöhnlich, als die Stadt für Unternehmen dieselben Wassertarife verlangt wie für Haushalte; viele Städte berechnen der Industrie weniger, um Betriebe anzulocken. „Die Wasserkosten werden auch für TSMC steigen", sagt Sorensen. „In Phoenix zahlt jeder denselben Preis — der kleine Laden, die achtköpfige Familie und TSMC."
TSMC und Intel lehnten Interviews für diesen Artikel ab, betonen aber öffentlich, ihren Süßwasserverbrauch minimieren zu wollen. „Eine stabile Wasserversorgung ist entscheidend für die Chip-Produktion", sagte TSMCs stellvertretende Sprecherin Nina Kao. Der langfristige Wasserplan der Stadt Phoenix sei einer der Gründe gewesen, warum sie für die US-Erweiterung ausgewählt wurde.
Dennoch wachsen die Sorgen. Jennifer Martin-McLeod vom Grand-Canyon-Kapitel des Sierra Club beschreibt das Tempo der Investitionen als kaum fassbar: „Zu sagen: ‚Alle mal durchatmen und überlegen, was wir da tun' ist schwierig, wenn diese Geldwalze auf den Staat zurollt, um alles über Nacht möglich zu machen." Die Auswirkungen der Kürzungen träfen vor allem normale Bewohner, sagt sie. „Für mich bedeutet das ernste Änderungen meines Lebensstils. Für einen riesigen Chiphersteller ist es vielleicht nur ein Teil der Geschäftskosten."
Langfristig werde der Wassermangel am Colorado River zur Erschöpfung des Grundwassers in Zentral-Arizona führen, weil die meisten Städte die Lücke über lokale Aquifere schließen. „Sie können das aufrechterhalten — aber nur auf Kosten künftiger Generationen", sagt Sorensen.




