United Launch Alliance will seine Vulcan-Rakete am 13. November wieder in den Flugbetrieb bringen – neun Monate, nachdem eine Anomalie an einem Feststoffbooster den Startplan des Unternehmens für 2026 zunichtegemacht hat. Das teilte ULA am Mittwoch mit; der Termin steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Range.
Die Mission soll 40 Satelliten für Amazon Leo aussetzen, die Breitbandkonstellation des Konzerns. Es ist der erste von 38 Vulcan-Flügen, die Amazon gebucht hat, um den Großteil seines Netzwerks zu deployen. Startplatz ist die Cape Canaveral Space Force Station in Florida.
Für ULA steht viel auf dem Spiel. Die Rakete erlitt bei zwei ihrer ersten vier Missionen Düsenausfälle an den Feststoffboostern, zuletzt im Februar. In beiden Fällen überwand die Rakete den Fehler und schloss die Mission ab – dennoch verlor die US Space Force, ULAs Hauptkunde, das Vertrauen. Die Behörde hatte Vulcan 2025 für nationale Sicherheitsstarts zertifiziert und zwei solcher Missionen geflogen, bevor die Rakete im Februar am Boden blieb.
Die Ursache ist weiterhin nicht öffentlich benannt. ULA und der Booster-Hersteller Northrop Grumman haben die Grundursache der Februaranomalie nicht identifiziert; den ersten Vorfall 2024 führten Ermittler auf einen Fertigungsfehler in einem Isolator zurück, der die Metallstruktur der Düse vor dem überhitzten Abgas schützen soll. ULA erklärt lediglich, man habe „große Fortschritte“ beim Verständnis gemacht, mehrere mögliche Faktoren identifiziert und diese durch Design- und Prozessverbesserungen an der Düse adressiert. Der kommende Flug nutzt die verbesserte Düse – und liefert zugleich die Flugdaten, mit denen die Änderungen validiert werden sollen.
Der Start ist auch technisch ein Novum: Erstmals fliegt Vulcan mit der vollen Bestückung von sechs Feststoffboostern. Dazu kommt eine verlängerte Nutzlastverkleidung für den Amazon-Satellitenstapel und eine verkürzte Centaur-Oberstufe, die für Einsätze im niedrigen Erdorbit optimiert ist. Die Rakete erreicht damit eine Gesamthöhe von 221 Fuß (67,4 Meter).
Warum das zählt. Das Pentagon hat ULA für rund die Hälfte seiner großen Starts bis Anfang der 2030er Jahre eingeplant. Verzögerungen sind daher kein PR-Problem, sondern ein Kapazitätsproblem: Die Space Force hat bereits sechs Missionen von Vulcan auf SpaceX Falcon 9 und Falcon Heavy verlegt und im Gegenzug sechs ursprünglich SpaceX zugewiesene Starts an ULA übertragen – darunter GPS-Satelliten, eine Mission des Air Force Research Laboratory und einen großen Frühwarnsatelliten. An der Gesamtzahl der Aufträge änderte das bislang nichts, wohl aber am Zeitplan.
Brig. Gen. Eric Zarybnisky, oberster Raketenkäufer des Space Systems Command, will Daten von kommerziellen Flügen sehen, bevor nationale Sicherheitsmissionen wieder freigegeben werden. Mindestens zwei Amazon-Leo-Missionen stehen vor dem nächsten NSSL-Einsatz, möglicherweise Anfang nächsten Jahres. „Diese Flüge werden eine beträchtliche Zahl von Feststoffboostern haben“, sagte er. Die Freigabe hänge stark davon ab, was man sehe – nicht nur aus Bodentests, sondern aus den Flugdaten.
Ein Vorbehalt: Ein Starttermin ist keine Freigabe. Der 13. November hängt an der Range, und ob die Düsenänderung das Problem tatsächlich behebt, lässt sich erst nach dem Flug sagen – mit einem Datenpunkt, nicht mit einem Beweis.




