Über weite Teile der Satellitenära wurde das Wasser direkt unter der Oberfläche des Südlichen Ozeans immer weniger salzig. Dieser Trend ist nun gekippt — abrupt.
In einer am Mittwoch veröffentlichten Arbeit berichten Forschende von einem deutlichen Anstieg des Salzgehalts im Antarktischen Zwischenwasser, einer Schicht in etwa 700 bis 1.200 Metern Tiefe (2.300 bis 4.000 Fuß), die die Antarktis umschließt und sich nordwärts in den Indischen, Pazifischen und Atlantischen Ozean ausbreitet. Die Aussüßung, die sie ablöst, hatte sich über Jahrzehnte aufgebaut. Die Wende zu salzigerem Wasser brauchte Jahre.
Der Mechanismus führt über das Meereis. Das antarktische Meereis erreichte 2014 die höchste Ausdehnung der Satellitenaufzeichnung, brach zwei Jahre später auf einen Rekordtiefstand ein und erreichte 2023 ein weiteres Minimum — etwa eine Million Quadratmeilen unter dem Mittel von 1981 bis 2010, eine Fläche rund viermal so groß wie Texas. Weniger Eis bedeutet weniger Süßwasser in der Schmelzsaison, und das salzigere Signal an der Oberfläche mischt sich in die Zwischenschicht hinein.
Die Befunde stützen sich auf sechs unabhängige Datensätze von 2004 bis 2024, überwiegend von Argo-Floats: autonome Geräte, die mit Strömungen treiben, regelmäßig absinken, um Temperatur, Salzgehalt und Dichte zu messen, und dann auftauchen, um die Daten zu senden.
Diese Schicht ist kein lokales Kuriosum. Co-Autor Bishakhdatta Gayen von der University of Melbourne und dem Centre for Atmospheric and Oceanic Sciences in Bengaluru weist darauf hin, dass sie Wärme, Kohlenstoff, Sauerstoff und Nährstoffe nordwärts in die Tropen und über den Äquator hinaus transportiert. Änderungen ihrer Dichte und Mächtigkeit verschieben, wie Wärme zwischen Oberfläche und Tiefsee wandert — und damit, wie der Ozean Wärme speichert und umverteilt.
Michael Meredith vom British Antarctic Survey, der dort jahrelang die Polarozean-Forschung leitete, benennt die Tragweite nüchtern: „Der Südliche Ozean ist der zentrale Knotenpunkt aller Ozeane der Welt. Er ist der wichtigste Ort, an dem alte Wassermassen zu neuen umgearbeitet werden, deshalb könnte das globale Folgen haben.“ Zugleich sei er eine gewaltige Senke für menschengemachtes Kohlendioxid — jener Prozess, der dämpft, wie schnell der Klimawandel dort ankommt, wo Menschen leben.
Gayen hält Auswirkungen für möglich, die schneller kommen, als Klimazeitskalen üblicherweise nahelegen: „an Ihre Tür klopfen“ binnen fünf Jahren — darunter häufigere Stürme und ein höherer Wärmeverlust des Ozeans, wie eine Studie von 2024 zeigte. Meredith zieht die für die Planung entscheidende Unterscheidung: Frühere Arbeiten zeigten eine Verlangsamung der Tiefenzirkulation; die obere Zirkulation aber könne „unser Klima innerhalb von Jahren bis Jahrzehnten beeinflussen, nicht von Jahrhunderten“.
Zwei Einschränkungen gehören zum Ergebnis. Die Beobachtungsreihe ist kurz, daher ist nicht belegt, dass der Zustand mit wenig Eis — und das salzigere Wasser darunter — dauerhaft ist. Und die globalen Klimamodelle, auf denen Politikberatung beruht, bilden den jüngsten Meereisverlust noch immer nicht gut ab. „Unsere Klimamodelle müssen aufholen“, sagte Meredith. Halte der eisarme Zustand an, „werden sich diese Veränderungen weiter durch die Ozeane der Welt ausbreiten, und die Folgen werden in unser Klima und unsere Ökosysteme ausstrahlen“.




