Astronomen haben die volle Ausdehnung von IC 1101 vermessen, der dominanten Galaxie im Zentrum des Galaxienhaufens Abell 2029, und sie damit als größte bekannte Galaxie des Universums bestätigt.

Ein Team unter der Leitung von Carlos Marrero-de la Rosa vom Astrophysikalischen Institut der Kanarischen Inseln nutzte die tiefsten je aufgenommenen Bilder der Galaxie, gewonnen mit der Weitfeldkamera des Isaac-Newton-Teleskops, um ihre diffuse äußere Grenze in beispielloser Detailtreue aufzulösen. Da die schwachen Außenbereiche der Galaxie in das Gas und die Sterne des umgebenden Haufens übergehen, konnten frühere Studien nicht bestimmen, wo IC 1101 tatsächlich endet.

Um Streulicht von mehr als 250 Vordergrundsternen zu beseitigen, erstellten die Forscher ein detailliertes Modell der Lichtverteilung des Teleskops und subtrahierten es von den Bildern. Das Ergebnis: IC 1101 misst rund 520 Kiloparsec – etwa 1,7 Millionen Lichtjahre, also das 17-fache der Milchstraßenbreite. Allein ihre Sterne enthalten geschätzte 3,4 Billionen Sonnenmassen, während die gesamte Milchstraße inklusive Dunkler Materie nur 1 bis 1,5 Billionen Sonnenmassen aufweist.

IC 1101 gehört zu einer Klasse von "hellsten Haufengalaxien", die über Milliarden von Jahren wachsen, indem sie kleinere Nachbarn verschlucken. Die neuen Aufnahmen offenbaren zudem acht Strukturen jenseits ihres Hauptrandes – zwei davon decken sich mit zuvor beobachteten Röntgenstörungen –, was darauf hindeutet, dass die Galaxie vor zwei bis drei Milliarden Jahren mit einer anderen Galaxiengruppe kollidierte und bis heute weiterwächst.

Die Studie "How Large Can Galaxies Be? Ultra-Deep Imaging of IC 1101, the Most Extended Known Galaxy" ist auf arXiv verfügbar und erscheint demnächst in Astronomy and Astrophysics.