Der teuerste Teil der GM-Smart-Driver-Affäre ist nicht die Summe. Es ist die Fehlermeldung.
Laut der Generalstaatsanwaltschaft von Michigan zeigte die OnStar-App 370.000 Fahrern an, sie seien nicht für die Aufzeichnung ihres Fahrverhaltens angemeldet – obwohl sie es waren. GM meldete diese Fahrer später stillschweigend wieder ab, ohne ihnen den Fehler zu sagen, und ließ ihre Daten nach Darstellung der Behörde bei den Datenhändlern und Versicherern liegen.
Am Donnerstag gab General Motors bekannt, 220 Millionen Dollar an eine Koalition von 36 Generalstaatsanwälten zu zahlen – 35 Bundesstaaten plus den District of Columbia –, um Vorwürfe beizulegen, das Unternehmen habe private Verhaltens- und Standortdaten von Fahrern rechtswidrig an Dritte verkauft. Michigan erhält nach Angaben von Generalstaatsanwältin Dana Nessel mehr als 7,2 Millionen Dollar.
Smart Driver lief von 2016 bis 2024. GM vermarktete das Programm als Werkzeug für Eltern, die ihre Fahranfänger beobachten wollten, und für Erwachsene, die ihr eigenes Fahrverhalten verfolgen wollten. Die gesammelten Daten – Bremsverhalten, Beschleunigung, Geschwindigkeit, Wege, Standort – gingen an Datenhändler, und die Verträge legten laut der Mitteilung aus Michigan fest, dass die Daten für Versicherungsprodukte verwendet werden sollten. Manche Fahrer sahen danach höhere Prämien.
Der Weg dorthin war selten eine bewusste Entscheidung. Die Behörde von Nessel beschreibt, dass die meisten Kunden das Programm beim Autokauf beim Händler abschlossen und dass Mitarbeiter die Bedingungen im Namen der Kunden akzeptierten – ohne deren Zustimmung. Dazu kam die App, die einem Teil der Fahrer das Gegenteil ihres tatsächlichen Status anzeigte.
Bekannt wurde die Sache 2024 durch eine Untersuchung der New York Times, die zeigte, dass OnStar Smart Driver Standort und Fahrverhalten in Abständen von bis zu drei Sekunden protokollierte und an LexisNexis und Verisk weitergab – Unternehmen, deren Daten in die Risikobewertung von Versicherern einfließen. Im Januar 2026 wurde eine Verfügung der US-Handelskommission FTC rechtskräftig: fünf Jahre Verbot, Standort- oder Verhaltensdaten an Wirtschaftsauskunfteien weiterzugeben, dazu die Pflicht, vor dem Erheben und Teilen solcher Daten ausdrückliche Zustimmung einzuholen und Nutzern das Löschen zu ermöglichen. GM stellte Smart Driver 2024 ein.
Die am Donnerstag bekannt gewordene Einigung geht über Geld hinaus: GM muss die erhobenen Fahrdaten begrenzen und vor dem Erheben oder Weitergabe ausdrückliche Zustimmung einholen. Und sie enthält einen Punkt, der in US-Vergleichen dieser Art ungewöhnlich ist: Ob GM die eigenen Datenschutzversprechen einhält, entscheidet nicht GM selbst, sondern eine unabhängige dritte Stelle.
GM erklärte, die Einigung betreffe Smart Driver, ein 2024 beendetes Produkt, und bestärke Maßnahmen, die das Unternehmen bereits ergriffen habe. "Sicherere, hilfreichere und personalisierte Erfahrungen werden durch Daten aus vernetzten Fahrzeugen ermöglicht", heißt es in der Mitteilung, und GM bekenne sich dazu, klar zu sagen, welche Informationen verwendet werden, wie sie geschützt sind und welche Wahl Kunden haben.
Der Fall ist mehr als ein Vergleich über ein eingestelltes Produkt. Er zeigt, wo die Daten von vernetzten Autos tatsächlich landen: nicht nur bei der Wartung, sondern in Preismodellen. Und er zeigt, wer in den USA derzeit Datenschutz im Auto durchsetzt – nicht eine Bundesbehörde mit einer allgemeinen Regel, sondern 36 Generalstaatsanwälte, Bundesstaat für Bundesstaat, Jahre nachdem die Daten bereits geflossen sind.
Offen bleibt, was ein Fahrer in einem Auto tun soll, dessen Hersteller die Verbindung nicht mehr abschalten kann. Der Vergleich regelt, was GM erheben darf. Er regelt nicht, was bereits in den Risikomodellen der Versicherer liegt.




