Westaustralien hat am Mittwoch die Konsultation zu einem Sicherheitsstandard für steckerfertige Solaranlagen und Batterien eröffnet – und wäre damit der erste Bundesstaat des Landes, der die Technik legalisiert. „Steckersolar“, wie sie in Deutschland heißt, ist in Europa und Großbritannien millionenfach im Einsatz. In Australien war sie bisher schlicht unzulässig.

Die Anlagen sind das, wonach sie klingen: ein oder zwei Module an einer Balkonbrüstung oder im Hinterhof, ein Wechselrichter, ein gewöhnlicher Stecker, eine gewöhnliche Steckdose. Kein Elektriker, kein Dach, keine Genehmigung. Die Einspeisung erfolgt hinter dem Zähler und verrechnet sich direkt mit dem, was Kühlschrank und Klimaanlage gerade ziehen.

Genau darin liegt der Reiz – und die Schwierigkeit. Wer zur Miete wohnt oder in einer Wohnung mit Balkon, hat keinen Grund, Tausende in ein Dach zu investieren, das ihm nicht gehört. Die Regierung von Western Australia schätzt die Einsparung für einen typischen Haushalt auf rund 240 australische Dollar im Jahr, mit einer Steckerbatterie auf bis zu 500. Die Organisation Solar Citizens nennt 300 bis 400 Dollar und das Doppelte mit Batterie. Die Anschaffung kostet laut ABC bis zu etwa 1.300 Dollar, plus Aufpreis für den Speicher; die Amortisationszeit geben Branchenexperten mit vier bis zehn Jahren an. Und anders als eine Dachanlage kann man die Module beim Auszug mitnehmen.

Energieministerin Amber-Jade Sanderson sagte: „Zu lange lagen die Vorteile von billigem Solar außerhalb der Reichweite von allen, die kein eigenes Dach besitzen. Das ist nicht fair.“ Und: „Millionen europäische Haushalte nutzen diese Systeme täglich, und Familien in WA sollten das auch können.“

Der eigentliche Gegenstand der Konsultation ist jedoch unspektakulär und entscheidend: wie verhindert wird, dass eine Steckdose überlastet wird. Ein Balkonmodul speist über den bestehenden Stromkreis ein, den sich womöglich noch andere Verbraucher teilen. Fällt das Netz aus, muss der Wechselrichter abschalten, sonst liegt Spannung auf einer Leitung, an der ein Techniker arbeitet. Deutschlands VDE-Regeln – laut Golem ausdrücklich das Vorbild – begrenzen die Wechselrichterleistung auf 800-Voltampere-Klasse, schreiben die Anschlusshardware vor und verlangen eine Netzüberwachung, die im Fehlerfall trennt.

Dass Deutschland hier Maßstab ist, ist keine Höflichkeit. Etwa jeder zehnte Haushalt dort betreibt eine solche Anlage, und die Normen sind über ein Jahrzehnt an realen Installationen gereift. Großbritannien hat Steckersolar in diesem Jahr legalisiert, Neuseeland prüft es innerhalb von zwölf Monaten. Australiens Energieminister hatten sich im September darauf verständigt, eine sichere landesweite Einführung zu prüfen; WA prescht nun vor.

Der Netzbetreiber ist der stille Dritte am Tisch. Im South West Interconnected System, dem Hauptnetz des Bundesstaats, haben bereits über 40 Prozent der Haushalte Solar auf dem Dach. Die einfache Kapazität ist also vergeben. Was übrig bleibt, sind Haushalte, die kein Dach besitzen – und Erzeugung hinter dem Zähler, die der Netzbetreiber nicht sieht und nicht steuern kann.

Zwei Dinge müssen noch passieren, bevor das erste Modul am Geländer hängt. Die Landesregierung muss Vermieter und Wohnungseigentümergemeinschaften mitnehmen, sonst bleibt die Erlaubnis auf dem Papier. Und die Netzanschlussregeln müssen nachziehen: Die Behörden haben bereits angekündigt, die Anforderungen an Solar und Batterien zu aktualisieren, unter anderem mit Blick auf den australischen CSIP-AUS-Standard für steuerbare Geräte. Bleibt die Frage, ob eine Flotte kleiner Wechselrichter im Netz willkommen ist oder nur geduldet wird.