Binance erklärt, dass 6,3 Milliarden Dollar von der Börse gestohlen wurden – der größte Kryptodiebstahl der Geschichte – und dass rund 3 Milliarden Dollar der Beute bereits eingefroren sind.
Das Unternehmen veröffentlichte die Zahl am 30. Oktober in mehreren Beiträgen auf X und versprach, alle Verluste zu decken. Binance hält nach eigener Angabe einen Notfallfonds von etwa 1,3 Milliarden Dollar (nach letzter Bewertung) und hat für diesen Vorfall mehr als 6,34 Milliarden Dollar eigene Mittel reserviert, davon 5 Milliarden Dollar „bereits in genau den Token-Assets, die betroffen waren". Ein- und Auszahlungen sind ausgesetzt.
Zur Ursache verwies Binance zunächst auf den kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs, über den ein Angreifer einen Service-Container erreichte und unautorisierte Auszahlungstransaktionen einreichen konnte. Spätere Updates nannten „weitere Punkte des Eindringens". Co-CEO Richard Teng widersprach der allzu ordentlichen Version: „Der Angreifer hat nicht einfach die Berechtigungen eines Ingenieurs genutzt, und es war keine einzige ,One-Click'-Aktion", schrieb er. „Es war ein komplexerer Angriffsprozess." Die Untersuchung habe niemanden namentlich verantwortlich gemacht und keine Hinweise auf einen abgeflossenen privaten Wallet-Schlüssel ergeben. Die Autorisierung der betroffenen Adresse wurde entzogen.
Zwei Blockchain-Analysefirmen, TRM Labs und Chainalysis, schreiben den Diebstahl der nordkoreanischen Einheit TraderTraitor zu, die eine lange Geschichte von Angriffen auf Kryptobörsen hat. Laut TRM wurde der Großteil des Geldes in etwa 20 Minuten bewegt.
Der Maßstab ist schwer einzuordnen. Der bisherige Rekord lag bei 1,46 Milliarden Dollar, die im vergangenen Jahr von Bybit gestohlen wurden – mehr als das Vierfache davon. Binances eigener Vorfall von 2019 kostete seinerzeit 40 Millionen Dollar. „Dies ist ein außergewöhnlicher Hack, was seine Größe und was die Reaktion angeht", sagte TRM-Chefpolitikberater Ari Redbord zu Sky News. „Nur wenige Finanzsysteme haben je einen Diebstahl dieser Größenordnung erlebt. Der Fall zeigt, wie exponiert das System gegenüber sophisticated Angreifern ist, die mit einer Geschwindigkeit vorgehen, die es so noch nicht gab."
Was eine Sperrung beweist und was nicht: 3 Milliarden Dollar eingefroren bedeutet, dass der Weg des Angreifers zu Geld teilweise blockiert ist – nicht, dass die Assets wieder auf Kundenkonten liegen. Binance hat nicht gesagt, wie viel der noch nicht eingefrorenen rund 3,3 Milliarden Dollar das Unternehmen selbst tragen will, was die Sperrung genau umfasst oder ob die Reserve reicht, falls die Rückgewinnung durch die Behörden ins Stocken gerät. Das Versprechen, Kunden schadlos zu halten, ist eine Bilanzzusage – und die Bilanz gehört dem Unternehmen.
Die Offenlegung fällt zudem in eine schlechte Saison: Im September meldeten mehrere Kryptofirmen große Diebstähle, und der gebrochene Rekord ist kaum ein Jahr alt.
Die offenen Fragen sind ebenso technisch wie finanziell. Binance hat nicht erklärt, wie ein Laptop einen Container mit Auszahlungsbefugnis erreichen konnte, ob der Angriff über einen Zulieferer oder von innen kam und warum die Signatur einer Auszahlung durch die Zugangsdaten eines einzelnen Dienstes auslösbar war. Bis dahin zählt nicht die gestohlene Summe von 6,3 Milliarden Dollar, sondern die 20 Minuten, in denen die Kontrollen der Börse sie nicht stoppten.
Binance erklärte, mit den Behörden zusammenzuarbeiten und dass Kundengelder sicher seien.
Quellen
- theverge.comThe Verge — Binance hackers stole $6.3 billion in record-breaking crypto heist
- wired.comWIRED — The $6.3 Billion Binance Hack Was Pulled Off in Just 20 Minutes
- reuters.comReuters — Blockchain analysis firm TRM says North Korea behind Binance crypto theft
- theguardian.comThe Guardian — North Korean group blamed for $6.3bn Binance hack




