Audi hat im dritten Quartal 95 Millionen Euro Nachsteuergewinn gemacht. Vor einem Jahr waren es 718 Millionen. Das ist ein Rückgang um 87 Prozent – und es ist die Art von Zahl, die eine Bilanz nicht mehr als Krise beschreibt, sondern als Stillstand knapp über der Nulllinie.

Der Kontext macht es schlimmer. Nach neun Monaten stehen 1,22 Milliarden Euro Gewinn bei 42 Milliarden Euro Umsatz, beides deutlich rückläufig. Audi hat die Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Finanzvorstand Jürgen Rittersberger sagte, die Kennzahlen zeigten, „dass der Handlungsbedarf bei Audi hoch ist und keinen Aufschub duldet“.

Die Ursachen benennt das Unternehmen selbst: der Einbruch in China, vor allem bei Verbrennern, steigende Wettbewerbsintensität, wachsender Exportdruck chinesischer Hersteller auf Europa, Unsicherheit wegen der Lage im Nahen Osten mit höheren Energiekosten – und US-Zölle. Der entscheidende strukturelle Nachteil steckt in einem Nebensatz: Audi hat kein eigenes Werk in den USA. Volkswagen hat Chattanooga, BMW Spartanburg, Mercedes Vance. Audi nicht, und deshalb treffen die Zölle die Ingolstädter härter als die Konkurrenz. Zum Vergleich: Mercedes machte im selben Quartal 1,52 Milliarden Euro Gewinn. BMW legt nächste Woche vor.

Gespart wird längst. Die Zukunftsvereinbarung aus dem Vorjahr sieht bis zu 7.500 Stellen weniger in Deutschland bis 2029 vor. Anfang Oktober hat Audi die sogenannte Schlechtwetterklausel gezogen, eine Vereinbarung von 2019, die Verhandlungen über Sparmaßnahmen erzwingt, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern. Nun wird um weitere Einschnitte gerungen; selbst das Aus des Werks Neckarsulm steht im Raum. Wie das die deutschen Standorte trifft, ließ Audi offen – man wolle die Schritte mit dem Gesamtbetriebsrat im Dialog entwickeln.

Und dann ist da noch der Auftritt, der zur zweiten Baustelle wurde. Am Rande von Verhandlungen über ein Werk im US-Bundesstaat Georgia trat Vorstandschef Gernot Döllner am Wochenende überraschend mit Donald Trump auf. Der Präsident verkündete auf einer Wahlkampfveranstaltung Audis Pläne, bevor er Döllner auf die Bühne holte, der sich für die Unterstützung bedankte. Seitdem reißen die Angriffe nicht ab, bis hin zu Rücktrittsforderungen – weniger wegen des Werks, dessen Bau weithin als sinnvoll gilt, als wegen des Zeitpunkts: wenige Tage vor den Zwischenwahlen am 3. November.

Kritiker werfen Döllner vor, gegen Audis eigene Regeln verstoßen zu haben, die solche Auftritte ausschließen. Er verteidigte sich, man sei im Rahmen der Gespräche gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten öffentlich vorzustellen; eine solche Einladung lehne man aus Respekt vor dem Amt nicht ab. Rittersberger hielt sich zu den genauen Bedingungen des Georgia-Werks bedeckt – zu Infrastruktur, Arbeitskräften und Förderkulisse. Dass größere Summen fließen, ist plausibel. Ob der Deal schon vor Produktionsstart die Zölle senkt, sagte er nicht.

Der Aufsichtsrat tagt dazu außerplanmäßig. Das ist der Punkt, an dem die beiden Probleme zusammenlaufen: Ein Konzern, der ein US-Werk braucht, um Zölle zu umgehen, hat gerade einen CEO, der für dieses Werk die politische Neutralität seines Hauses aufgegeben hat – und die Aufsicht muss entscheiden, ob das ein Preis war, den man zahlen wollte.

Ein Quartal mit 95 Millionen Euro Gewinn kann man mit Kostendisziplin erklären. Ein Quartal mit 95 Millionen Euro Gewinn, während der Vorstandschef wegen eines Wahlkampfauftritts um seinen Job kämpft, ist eine andere Geschichte. Für die Belegschaft in Neckarsulm zählt am Ende ohnehin nur eine Zahl: die, die über das Werk entscheidet.