Die Fernsehgewohnheiten, die ein Abo rechtfertigen, verschwinden. Was an ihre Stelle tritt, ist ein Format, für das niemand einen Fernseher braucht: 90 Sekunden Handlung, dann ein Schnitt, dann die nächste Folge.
EloElo, Betreiber der App Story TV, hat 80 Millionen Dollar in einer Series C aufgenommen. Angeführt wurde die Runde von Hornbill Capital und NBCUniversal; mit bestehenden Investoren wie Play Ventures, Kalaari Capital, Waterbridge Ventures und Griffin Gaming Partners sowie MIT Investment Co. summiert sich die Finanzierung auf 130 Millionen Dollar, bei einer Bewertung von 500 Millionen Dollar.
Die Zahlen dahinter sind der eigentliche Grund, warum ein amerikanischer Medienkonzern in Hyderabad einsteigt. In Indien sehen laut TechCrunch mehr als 118 Millionen Menschen monatlich Microdramas. Story TV kommt nach Schätzungen von Sensor Tower auf über 33 Millionen monatlich aktive Nutzer, mit einem Katalog von mehr als 5.000 Titeln in sechs Sprachen. Nutzer verbringen durchschnittlich 95 Minuten pro Tag in der App — nicht am Stück, sondern in mehreren Sitzungen, zwischen Arbeitsweg, Mittagspause und Abend.
"Ich glaube fest daran, dass die nächsten Milliarden Nutzer nicht mit dem Fernsehen aufwachsen, sondern mit Inhalten auf dem Telefon", sagte Gründer Saurabh Pandey, ehemals bei Flipkart. Dieses Entertainment müsse anders gebaut sein: kein Terminfernsehen, sondern Inhalte in bestimmten Zeitfenstern des Tages. Kurzclips hätten dieses Problem gelöst, serielles Erzählen nie.
Der Format-Export läuft bereits. In den USA, in China und in Indien boomen vertikale Serien; Hollywood-Namen wie Issa Rae, James Franco und Kim Kardashian investieren und spielen mit. Analysten erwarten, dass die Branche bis 2030 drei bis vier Milliarden Dollar Jahresumsatz überschreitet. Im vergangenen Jahr gehörten Story TV, Kuku TV und Quick TV zu den meistgeladenen Video-Streaming-Apps Indiens.
Die offene Flanke ist die Zahlungsbereitschaft. Mehr als 40 Millionen Menschen in Indien haben mindestens einmal für Microdramas bezahlt, aber nur 15 bis 17 Millionen tun es monatlich, so die Analysefirma Redseer. Eine Umfrage von Ormax Media ergab, dass 72 Prozent noch nie gezahlt haben. EloElo antwortet mit einer Mischung aus Abos in Monats-, Quartals- und Jahreslänge und werbefinanzierten Gratisinhalten — wobei Werbung laut Berichten weniger lukrativ ist als Abos.
Deshalb ist künstliche Intelligenz hier kein Marketingthema, sondern ein Kostenhebel. Alle Plattformen brauchen mehr Inhalte, als Produktionsbudgets hergeben. EloElo hat mit DolphinTV ein internes Werkzeug gebaut, das als Schnittprogramm mit Vorlagen und einer Auswahl an Modellen für Bild, Ton und Video funktioniert und nun einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden soll — auch für Marketingkampagnen und Werbung. Wettbewerber gehen weiter: Das von Google unterstützte Kuku will Arbeitsabläufe beschleunigen, Dashverse' Shortfree will mit Video-KI-Modellen serielle Clips erzeugen.
Pandey zieht dort eine Grenze. "KI ist ein sehr schnelles Rennauto, aber man braucht einen extrem fähigen Formel-1-Fahrer am Lenkrad. Das ist für mich der Creative Director oder der Showrunner." KI könne beim Schreiben helfen, aber die besten Geschichten hätten einen sehr hohen Mensch-mal-KI-Anteil. Ob das eine Haltung oder eine Budgetfrage ist, wird sich zeigen — 240 Mitarbeiter und ein wachsender Teil des Kapitals für Eigenproduktionen sprechen dafür, dass EloElo erst einmal auf eigene Titel setzt.
Jenseits von Story TV betreibt das Unternehmen eine vertikale Lern-App (Master) und eine KI-Begleiter-App (Voxy AI) und gibt über alle Apps hinweg mehr als 40 Millionen monatliche Nutzer an. Der Großteil entfällt auf Story TV.
Zu beobachten: ob NBCUniversal Distribution statt Geld bringt — ein US-Vertriebskanal wäre für indische Microdramas mehr wert als die 80 Millionen —, ob die Abo-Konversion über 15 Millionen zahlende Nutzer hinauskommt, und wie schnell KI-Produktion den Katalog vergrößert, ohne dass die Plattformen in austauschbare Serien kippen.




