Fedora 45 ist am 3. November erschienen – zwei Wochen später als geplant. Zuerst fehlte zum ursprünglichen Termin ein testbarer Release Candidate. Dann kam die Kompromittierung der Zertifizierungsstelle eMudhra hinzu, bei der mehrere private Schlüssel für CA-Zertifikate leicht zu erraten waren, weshalb Browserhersteller die Zertifikate sperrten. Und es gab Boot-Probleme mit verschlüsselten Pools des Speichersystems Stratis.

Die sichtbarste Änderung für alle, die schon einmal mit einem kaputten Grafiktreiber auf tty2 gelandet sind: Die Textkonsole kommt nicht mehr aus dem Kernel. Fedora 45 ersetzt den fbcon-Treiber durch kmscon, ein Userspace-Programm, das dieselbe Aufgabe übernimmt – und das laut Fedora-Entwickler Jocelyn Falempe vor allem aus drei Gründen sinnvoll ist.

Sicherheit: Jeder Fehler in fbcon läuft im Kernelraum, lässt sich dort ausnutzen und endet bei einem Absturz in einer Kernel-Panic. fbcon hängt außerdem an der alten fbdev-Schnittstelle, während alle GPU-Treiber inzwischen DRM nutzen, weshalb eine Emulationsschicht dazwischen nötig war. Bedienbarkeit: fbcon kann nur Bitmap-Schriften, die auf HiDPI-Displays winzig aussehen und sich zur Laufzeit nicht skalieren lassen; kmscon rendert über Freetype jede Monospace-Schrift in beliebiger Größe (Strg+Plus, Strg+Minus) und deckt mehr Unicode ab. Und Tastaturlayouts: fbcon nutzt andere Layouts als der Desktop, was beim Tippen von Passwörtern oder fremdsprachigen Zeichen stören kann – kmscon übernimmt das Layout von GNOME, KDE oder Sway und lässt sich mit localectl set-keymap umstellen. Scrollen mit Bild auf/ab und Mausrad sowie ein Hardware-Cursor kommen dazu; fbcon hatte das Scrollen nach einem CVE verloren.

Die Nebenwirkungen sind real. kmscon nutzt Pseudo-Terminals, ein `tty` liefert also /dev/pts/0 statt /dev/tty1 – Skripte, die darauf bauen, müssen angepasst werden. Und weil kmscon die exklusive DRM-Schnittstelle zur GPU hält, startet eine grafische Sitzung aus der Konsole nicht mehr wie gewohnt: Dafür braucht es kmscon-launch-gui, etwa `kmscon-launch-gui startx`. Wer eine Rettungskonsole behalten will, kann pro tty umschalten – `systemctl mask kmsconvt@tty5` plus `systemctl enable --now getty@tty5` gibt tty5 den alten fbcon zurück.

Der Rest des Release ist solide Kost: Linux-Kernel 7.2, GNOME 51, KDE Plasma 6.8 – das nur noch dank der Verzögerung hineingerutscht ist –, Stratis-Unterstützung im Installer, GCC 16.2 und glibc 2.44. Für Apple-Hardware gibt es Fedora Asahi Remix 45, das nun auch M3, M3 Pro und M3 Max unterstützt.

Warum das zählt: Die Konsole ist die letzte Stelle, an der Linux noch Kernel-Code für etwas ausführt, das eigentlich eine Anwendung ist. Sie in den Userspace zu holen, verkleinert die Angriffsfläche des Kernels und macht die Rettungssitzung genauso konfigurierbar wie den Rest des Systems – zum Preis von Skripten, die /dev/tty1 erwartet haben.

Was zu beobachten ist: ob andere Distributionen folgen. Wenn kmscon sich in Fedora bewährt, ist fbcon nach drei Jahrzehnten bald Geschichte – und mit ihm eine ganze Klasse von Kernel-Panics, die niemand vermissen wird.