Die Zahlen, mit denen dieser Markt wirbt, stammen von AARP: 2025 pflegten in den USA rund 63 Millionen Menschen Angehörige mit Krankheit oder Behinderung, im Schnitt bis zu 27 Stunden pro Woche. Die Daten, auf die es ankommt, entstehen in dieser Zeit – zwischen Arztterminen, in Küchen, beim Telefonieren – und nicht in einem System, das sie sammelt.

Genau dort setzen die Apps an, und immer mehr von ihnen mit einem Assistenten. Caring Village (seit 2015) hat „Julia“ für Pflegefragen; Citizen Health, 2024 gegründet, startete vor einem halben Jahr „Ari“, einen Assistenten im Beta-Stadium, der per Textnachricht Symptome erfasst, auf Arztportale und Google Kalender zugreift und Termine vorbereitet. Ari ist bisher nur für seltene Erkrankungen verfügbar. Mejo (seit 2022, sechs Dollar im Monat) verdichtet die Krankengeschichte eines Menschen auf eine Seite, die man mit Ärztinnen und Therapeuten teilen kann – manuell befüllt. Briggzy, das Werkzeug eines Vaters für die Übergaben an seine Frau, ist noch im Test und soll 2027 starten. Medisafe, seit 2013 im Geschäft, erinnert an Medikamente und warnt vor Wechselwirkungen.

Der Nutzen ist real, die Lücke auch. I. Glenn Cohen von der Harvard Law School sagt, die meisten dieser Produkte seien keine Medizinprodukte – die FDA habe sie also nicht geprüft, Wirksamkeit und Sicherheit blieben offen. Und die Gesundheitsdaten seien in der Regel nicht durch HIPAA geschützt, weil sie nicht von einer verpflichteten Einrichtung stammen, sondern von zu Hause. Wer Datenschutz will, hat oft nur vertragliche Zusagen – in Klauseln, die die Anbieter weitgehend von Haftung freistellen. Cohen warnt zudem, dass die erfassten Daten nicht nur die gepflegte Person betreffen, sondern auch Eltern und andere Pflegende.

Der zweite Hemmschuh ist banaler und deshalb schwerer zu beheben: Niemand pflegt die Daten ein. Denise M. Brown, die seit Jahren Pflegende schult, hat viele Apps kommen und gehen sehen. Man müsse Pflegepläne, Termine und Aufgaben hochladen, und das sei Arbeit. Ärztin, Pflegedienst, Therapeut oder Entlassungsmanager loggen sich nicht ein, um etwas beizutragen – es bleibt an der Person hängen, die ohnehin am Limit ist.

Das ist die eigentliche Diagnose dieser Produktwelle: Das Modell ist nicht der Engpass. Der Engpass sind Erfassung und Anbindung. Solange Kliniken und Praxen nicht mitschreiben, automatisiert eine App vor allem die Verwaltung der eigenen Erschöpfung.

Nicole Howell vom National Council on Aging formuliert es so, dass es über den Markt hinausgeht: Die Lösung werde nicht eine Familie und nicht ein Pflegender allein finden. Es brauche Regierung, Wirtschaft und die Familien selbst. Bis dahin gilt für die 63 Millionen: Die App ersetzt das Gespräch nicht, und sie führt die Liste weiter.