Anthropic hat am Donnerstag Personal Finance in Claude gestartet — vorerst als Beta für Pro-, Max- und Ultra-Abonnenten in den USA, auf Web, Desktop, iOS und Android. Nutzer verbinden Bank-, Kreditkarten-, Kredit- und Depotkonten über Plaid, den Aggregator, den auch viele Banking-Apps verwenden, und stellen danach Fragen zum eigenen Geld. Die wichtigste Einschränkung steht in der Hilfe selbst: Personal Finance kann Konten nur lesen. Es kann kein Geld bewegen, verwalten oder anlegen.

Was Claude tatsächlich sieht

Für jedes freigegebene Konto liest Claude Bankname, Kontoname, -typ und die letzten vier Ziffern, Salden und Kreditlimits sowie bis zu 24 Monate Transaktionen mit Betrag, Datum, Händler, Kategorie und der Beschreibung der Bank. Vollständige Kontonummern sieht es nicht — außer die Bank schreibt sie selbst in einen Kontonamen oder eine Transaktionsbeschreibung. Bei Depots und Krediten liest es Salden, nicht Bestände, Trades, Zinssätze oder Bedingungen. Bis zu 16 Banken lassen sich verknüpfen; die Anmeldung läuft über Plaid, Claude sieht das Bankpasswort nie.

Das Dashboard zeigt Ausgaben, Cashflow, Konten, Abonnements und anstehende Rechnungen als Widgets. Fragen wie „Wo ist mein Geld letzten Monat hingegangen?“ oder „Welche Abos zahle ich?“ lassen sich auf der Seite oder in einem normalen Chat stellen.

Die Datenschutzdetails, die zählen

Gespräche im Personal-Finance-Bereich werden nicht zum Training der Modelle verwendet. Dort verwendet Claude die Daten außerdem nicht für Memory oder die Suche nach früheren Chats und lässt sie aus der monatlichen Zusammenfassung heraus, inklusive des Titels. Wer die Konten aber in einem normalen Chat anspricht, fällt unter die eigenen Datenschutzeinstellungen.

Zwei Hinweise sind unbequem und ehrlich dokumentiert. Erstens: Ein geteilter Chat-Link zeigt die Nachrichten samt Zahlen aus den Konten — und ein Artefakt kann die verknüpften Konten der Person lesen, die es öffnet, sofern diese Personal Finance nutzt. Zweitens: Salden können ein bis zwei Tage alt sein, und ein Konto, das über zwei Logins verknüpft ist, kann doppelt gezählt werden. Bei einem Budget kann dann mehr Geld übrig aussehen, als tatsächlich da ist. Anthropic schreibt ausdrücklich: Claude ist KI und kann Fehler machen; wichtige Zahlen gehören in die Bank-App.

Grenzen

Nur US-Banken. Nicht verfügbar in Claude Code, in geplanten Aufgaben, in Cowork-Aufgaben oder in Projekten; nicht in Team- und Enterprise-Konten, nicht in Claude Duet. Datenexporte enthalten das Dashboard noch nicht. Wird die letzte Bank getrennt, werden Widgets, Budgets und Einstellungen gelöscht — unwiderruflich.

Warum das mehr ist als ein Feature

Ein Assistent, der Kontobewegungen liest, verschiebt die Grenze von „Text, den ich eingebe“ zu „Daten, die über mich existieren“. Die technische Antwort darauf ist eine Berechtigungsklasse: nur lesen, nur ausgewählte Konten, nur auf ausdrückliche Verknüpfung, jederzeit trennbar. Dass Anthropic die riskanten Details — geteilte Links, Artefakte, doppelte Konten — selbst in die Hilfe schreibt, ist bemerkenswert. Ob Nutzer das Modell dennoch mit ihren Finanzen allein lassen, ist eine andere Frage; die Antwort hängt weniger am Modell als an der Frage, wie gut die Grenze zwischen „lesen“ und „handeln“ im Produkt sichtbar bleibt.