Zwei Jahrzehnte nach der Aufnahme und mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Aufstieg zum berüchtigtsten Album der Musik ist ein Teil von Wu-Tang Clans "Once Upon a Time in Shaolin" endlich zu hören, berichtet The Verge. Die Veröffentlichung wird mit dem Journalisten Pablo Torre in Verbindung gebracht und ist die umfangreichste öffentliche Vorstellung des Albums seit seiner Pressung als einzelnes physisches Exemplar.
Das Objekt ist der Punkt. Über rund sechs Jahre im Geheimen aufgenommen und in Marrakesch gemischt, existiert das Album als eine Kopie in einer handgeschnitzten Silber-Nickel-Box. 2015 wurde es für kolportierte zwei Millionen Dollar an Martin Shkreli verkauft — unter einem Vertrag, der eine kommerzielle Veröffentlichung 88 Jahre lang, bis 2103, untersagte, eine Frist, die dem Urheberrechtsschutz folgen dürfte. Shkreli wurde später wegen Wertpapierbetrugs verurteilt, das Album fiel an den US-Staat. 2021 versteigerte der US Marshals Service es für rund vier Millionen Dollar an das Krypto-Kollektiv PleasrDAO.
PleasrDAO hielt sich an die Bedingungen: private Hörsessions, tokenisierte Bruchstücke der Geschichte, aber kein Streaming. Zugang sollte immer per Erlaubnis gewährt werden, nie per Kauf — was das Album zum reinsten Testfall der Debatte über digitales Eigentum macht, die sich heute im Videospiel-Gesetzentwurf und in jeder Endnutzer-Lizenz abspielt.
Technisch ist das Album eine gewöhnliche digitale Aufnahme. Juristisch ist seine Knappheit ein Vertrag, keine technische Schranke. Wer eine Kopie hat, kann sie perfekt duplizieren; selten machen sie nur die 2103-Klausel, ein von Geheimhaltungsverträgen umgebenes Hörregime und die Aussicht auf Klagen. Der Wert ruht vollständig auf Recht und Diskretion — jener Kombination, mit der die Musikindustrie in der CD-Ära vergeblich gegen normale Hörer vorging.
Diese Einordnung erklärt auch das Interesse: Ein Werk mit hauchdünner Einzigartigkeit ist ein ungewöhnlich klares Fenster darauf, was "Eigentum" an digitalen Gütern bedeutet. Spielkäufer streiten im Kongress nun um Rechte, die Shkreli und später PleasrDAO nie hatten — und Wu-Tangs Album zeigt, wie haltbar eine künstliche Beschränkung sein kann, wenn alle Beteiligten sie respektieren.




