Shield hat am 5. November eine definitive Vereinbarung zur Übernahme von Echodyne Corp. bekannt gegeben – für 5,3 Milliarden Dollar. Das Unternehmen, das bis vor Kurzem als Shield AI firmierte, bezahlt damit vor allem für Augen: Echodyne baut kompakte Festkörper-Radare auf Basis metamaterialbasierter elektronisch gescannter Arrays (MESA), die in Hunderten von Counter-Drohnen- und Sicherheitssystemen bei Verteidigungs-, Regierungs- und kommerziellen Kunden in mehr als 40 Ländern stecken.

Die Struktur des Deals: 4,8 Milliarden Dollar werden bei Closing gezahlt und ausgegeben, bis zu 500 Millionen weitere sind an vereinbarte Leistungsziele von Echodyne geknüpft. Der Abschluss wird für Anfang 2027 erwartet, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen. Finanziert wird das mit 2,5 Milliarden Dollar, die Shield parallel einsammelt: eine Series H über 1 Milliarde Dollar zu einer Post-Money-Bewertung von 28,8 Milliarden, eine strukturierte Eigenkapitalinvestition über 1 Milliarde von Fonds, die von Blackstone verwaltet werden, und 500 Millionen Dollar Fremdkapital unter Führung der JPMorgan Chase Bank. Die Series H wird von Disruptive und Innovation X Capital geführt, beteiligt sind unter anderem Advent, die Strategic Investment Group der Security and Resiliency Initiative von JPMorganChase und Snowpoint Ventures.

Für Shield ist Echodyne der dritte Baustein neben Software und Fluggeräten. Das Unternehmen liefert die Autonomiesoftware Hivemind, die Simulationsumgebung Aechelon sowie die Systeme V-BAT und X-BAT. CEO Gary Steele beschreibt das Ziel als „Verteidigungstechnologieunternehmen der neuen Generation“ mit drei Geschäftsbereichen – Autonomiesoftware, autonome Systeme, Mission Systems – und hohen Margen. Echodyne-Gründer und CEO Eben Frankenberg bleibt und berichtet künftig direkt an Steele; die MESA-Radare sollen weiterhin auch als Einzelprodukte erhältlich sein.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Im September erhielt Echodyne einen Vertrag mit einer Obergrenze von 250 Millionen Dollar von der Joint Interagency Task Force 401, um Counter-Drohnen-Radar an US-Streitkräfte und verbündete Truppen zu liefern. Die Radare sind auf ferngesteuerten Waffenstationen, Hochenergielasern und Hochleistungs-Mikrowellensystemen integriert und lenken Abfangjäger auf anfliegende Drohnen. Zivile Betreiber nutzen dieselbe Hardware, um Stadien und Flughäfen zu schützen und Polizei und Feuerwehr sichere Drohnenflüge im gemeinsam genutzten Luftraum zu ermöglichen. Am selben Tag gab die NATO bekannt, 16 Counter-Drohnen-Systeme von fünf Herstellern im Rahmen ihres Drone-Edge-Programms ausgewählt zu haben.

Auch die Industriebasis wächst mit. Echodyne hat in Kirkland, Washington, eine 86.350 Quadratfuß große Fertigung für 40 Millionen Dollar eröffnet, die etwa 30.000 Radare pro Jahr bauen kann. Shield hatte Washington im September bereits zum Produktionsstandort für X-BAT erklärt. Beide Unternehmen erwarten für dieses Geschäftsjahr dreistelliges Umsatzwachstum – eine gemeinsame Prognose, keine geprüfte Zahl.

Bemerkenswert ist die Bewertungslogik. Shield sammelt 2,5 Milliarden Dollar ein, um ein Unternehmen zu kaufen, dessen Radare in Systemen anderer Hersteller stecken. Der Satz von Frankenberg in der Mitteilung ist die eigentliche These der Branche: Autonome Systeme können nur auf das reagieren, was sie wahrnehmen – und überlegene Sensorik führe zu überlegenen Systemen. Wer Drohnen abfangen will, muss sie zuerst sehen, und genau dieser Engpass wird derzeit mit Milliarden bewertet.