Am 29. Oktober verließen der NASA-Astronaut Anil Menon und sein kanadischer Kollege Joshua Kutryk die Luftschleuse und arbeiteten sieben Stunden und elf Minuten lang am Backbord-Hauptträger der Internationalen Raumstation. Sie montierten das siebte von acht Roll-Out-Solararrays (IROSA) am 2A-Stromkanal. Das ist unspektakulär, bis man liest, wofür die zusätzliche Leistung gedacht ist.
Der letzte der acht Flügel soll am 5. November am 3B-Kanal installiert werden. Danach steigt die verfügbare Leistung nach NASA-Angaben um bis zu 30 Prozent, von rund 160 auf etwa 215 Kilowatt. Die Agentur begründet das nicht mit neuen Experimenten, sondern mit kritischen Operationen — darunter ein sicherer und kontrollierter Wiedereintritt.
Das ist der eigentliche Inhalt der Meldung. Die Station wird seit Jahren für ihr Ende vorbereitet, und ein kontrollierter Absturz eines Objekts dieser Größe ist kein passives Ereignis. Er braucht Lageregelung, Triebwerksarbeit, Kommunikation und Thermalkontrolle gleichzeitig — Systeme, die alle an derselben Leistungsbilanz hängen. Wer die Energieversorgung altert, altert die Fähigkeit, die Station geordnet zu beenden.
Die IROSA-Einheiten sind dafür ein interessanter Kompromiss. Statt die Originalflügel zu ersetzen, werden flexible Matten über deren Träger ausgerollt; sie sind etwa halb so groß wie die alten Arrays und liefern trotzdem vergleichbare Leistung, weil die Zellen effizienter sind. Acht davon ergeben eine Aufrüstung ohne Ausbau — ein Ansatz, der auch außerhalb der Raumfahrt Schule machen könnte, weil er die teuerste Arbeit im All vermeidet: das Entfernen von etwas.
Bemerkenswert ist auch der Rhythmus. Der Einsatz am 29. Oktober war der 285. Weltraumspaziergang zur Montage, Wartung und Modernisierung der Station und zugleich der 100. US-Weltraumspaziergang; für Menon war es der vierte, für Kutryk der erste. Eine Station, die in ihrer besten Zeit drei solcher Einsätze pro Monat brauchte, kommt heute mit einer Handvoll im Jahr aus und nutzt sie für Alterung statt für Ausbau.
Was das für die Zeit nach der Station bedeutet, ist noch offen. NASA will das Ende mit einem eigenen Deorbit-Fahrzeug herbeiführen, nicht mit Progress-Frachtern oder Zufall. Ob die nun installierte Leistungsreserve dafür reicht, hängt auch daran, wie viel davon in den nächsten Jahren noch durch Degradation und neue Instrumente verbraucht wird. Der 5. November schließt eine Baustelle, die 2021 begann — und eröffnet die Frage, wie lange die restliche Infrastruktur die Rechnung trägt.
Quellen
- nasa.govNASA: Spacewalkers install roll-out solar array for power generation
- spaceflightnow.comSpaceflight Now: NASA nears end of space station solar array upgrade
- sciencedaily.comScienceDaily: Astronauts just gave the International Space Station a powerful upgrade
- golem.deGolem: ISS — neue Solarpanels sollen sicheren Absturz unterstützen




