Elon Musk hat sich für den Dokumentarfilm „Musk" nicht interviewen lassen. Also hat Regisseur Alex Gibney ihn aus dem gebaut, was öffentlich übrig war.

Gibneys Team setzte für den Film eine simulierte Version zusammen: echte Zitate aus jahrelangen Auftritten, kombiniert mit einem gebräunten, kantigen Avatar in Lederjacke. Auf einer Veranstaltung der WIRED World Fair, kurz vor der Auszählung vieler Kongressrennen, sagte Gibney, das sei der einzige Weg gewesen, Musk im Film sprechen zu lassen, ohne dass er selbst antwortet.

Musk hat den Film als „Hit Piece" bezeichnet. Im September schickte sein Anwalt Alex Spiro einen Brief an Gibneys Jigsaw Productions und drohte mit einer Verleumdungsklage vor dem Kinostart. Bleecker Street, der die US-Kinorechte hält, zog den Start nach guten Festivalkritiken um eine Woche vor. Ab dem 6. November ist der Film nur noch als Leih- oder Kaufversion zu haben.

Bemerkenswert ist auch, wie er beworben wurde — oder nicht. Laut The Hollywood Reporter lehnten YouTube, TikTok und Meta zunächst Anzeigen für den Trailer ab; auf X wurde gar nicht geworben.

Technisch ist der Film damit ein Präzedenzfall. Ein Subjekt, das nicht mitwirkt, aus Archivmaterial und einer generierten Darstellung zu rekonstruieren, ist genau die Fähigkeit, die Plattformen derzeit mit Kennzeichnungspflichten einzudämmen versuchen. Bei einem Prominenten mit jahrzehntelangem öffentlichem Archiv wirkt das Verfahren harmlos und handwerklich sauber — als Methode ist es von dem, was als Deepfake gilt, nicht durch die Technik getrennt, sondern durch den Kontext.

Inhaltlich verfolgt Gibney eine andere Frage. Der Film zeichnet nach, wie mehrere US-Behörden gegen Musks Unternehmen ermittelten, und argumentiert, das habe seine Unterstützung für Donald Trump und andere Republikaner mit motiviert. In diesem Wahlzyklus hat Musk mehr als 474 Millionen Dollar an republikanische Gruppen gespendet, davon mindestens 158 Millionen an Super PACs für Ken Paxton. Paxton verlor sein Senatsrennen gegen James Talarico; Gina Hinojosa wurde zur Gouverneurin gewählt — die ersten Demokraten seit mehr als drei Jahrzehnten, die in Texas ein landesweites Amt gewinnen.

„Er hat inzwischen so außergewöhnlich viel Geld, dass eine halbe Milliarde für eine Wahl nichts bedeutet", sagte Gibney. Ein Großteil davon steckt allerdings im Aktienwert seiner Unternehmen. „Die Frage ist: Was passiert, wenn diese Aktie zu fallen beginnt?"

Ob eine demokratische Mehrheit wirklich Untersuchungen gegen Musk vorantreibt, ist offen. Gibneys eigene Frage ist die präzisere: Ob ein politisches System, das auf Spenden angewiesen ist, überhaupt in der Lage ist, die Macht des Geldes zu ignorieren.

Für die Technologiebranche ist die Lehre unangenehmer als die Politik. Das Werkzeug, mit dem ein angesehener Regisseur einem abwesenden Milliardär Worte in den Mund legt, ist dasselbe wie in jeder anderen Hand — der Unterschied ist ein Presseausweis.