Deutschlands Neuwagenmarkt hat im Oktober einen Punkt überschritten, den die Branche lange für unerreichbar hielt. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts wurden 94.086 reine Elektroautos erstmals zugelassen — fast 80 Prozent mehr als im Oktober 2025, bei insgesamt 254.492 neuen Pkw und einem Marktplus von nur 1,7 Prozent. Das sind rund 37 Prozent Anteil, nach 34,5 Prozent im September, dem damaligen Rekord. Zum Vergleich: 2025 lag der Jahresanteil bei etwa 19 Prozent.
Der aussagekräftigere Satz steckt jedoch nicht im Anteil, sondern im Vergleich. Im Oktober kamen 15,1 Prozent der Neuzulassungen auf reine Benziner — rund 38.000 Fahrzeuge, ein Rückgang um 40,5 Prozent — und 23.882 auf Diesel, minus 21,6 Prozent, ein Anteil von 9,4 Prozent. Zusammen sind das etwa 62.000 Verbrenner gegen 94.086 Elektroautos. Die Elektroautos lagen damit im zweiten Monat in Folge über Benzin und Diesel zusammen, diesmal um mehr als die Hälfte.
Getragen wurde das Wachstum von privaten Käufern: Ihre Zulassungen stiegen um 20,6 Prozent auf einen für deutsche Verhältnisse ungewöhnlichen Anteil von 40,7 Prozent, während gewerbliche Zulassungen um 8,2 Prozent zurückgingen. Der durchschnittliche CO₂-Ausstoß aller neuen Pkw fiel um 21,1 Prozent auf 79,4 Gramm pro Kilometer — der erste Monat unter 80 Gramm.
Auch bei den Antrieben dahinter verschiebt sich etwas. Plug-in-Hybride gingen um 7,9 Prozent zurück, der erste Rückgang seit Längerem, und landeten bei 11,2 Prozent. Autogas-Pkw verdoppelten sich fast auf 2.065 Einheiten, ein Anteil von 0,8 Prozent. Bei den Marken behauptete VW 18,2 Prozent, Škoda war mit 7,7 Prozent erneut stärkster Importeur und Vierter insgesamt. Unter den Importeuren mit mindestens 1,5 Prozent Marktanteil wuchs BYD prozentual am stärksten und erreichte 2 Prozent; Mazda, Kia, Dacia und Citroën legten zweistellig zu. Von den deutschen Marken stand nur Mercedes im Plus, BMW stagnierte.
Was die KBA-Meldung nicht liefert, ist eine Begründung. Der Sprung kann echte Nachfrage nach günstigeren Modellen sein, eine Verlagerung von Käufen vor eine Änderung der Förder- oder Steuerregeln im kommenden Jahr, oder beides. Wer die Zahl als Beweis für eine dauerhafte Wende liest, sollte den November abwarten. Die europäische Bestätigung folgt am 24. November, wenn der Herstellerverband ACEA seine Oktoberzahlen für die EU vorlegt.
Festzuhalten bleibt: In dem Land, das 2023 seine Kaufprämie für Elektroautos beendete und dessen Hersteller am längsten am Verbrenner festhielten, sind reine Elektroautos im Neuwagengeschäft inzwischen die größte einzelne Antriebsgruppe — und die Benziner brechen schneller weg als die Diesel.




