Das meistgesternte Entwicklerwerkzeug des Agentenzeitalters ist kein Agent. Worktrunk, ein Rust-CLI des unter dem Namen max-sixty auftretenden Entwicklers, sammelte laut GitHubs Trending-Seite in den vergangenen 24 Stunden rund 524 Sterne; ein Reddit-Thread dieser Woche nannte einen Stand von etwa 9.300 Sternen. Der Pitch passt in eine Zeile: git worktrees, ohne Tipparbeit.

Worktrees erlauben es, ein Repository gleichzeitig in mehrere Verzeichnisse auszuchecken, jedes auf einem eigenen Branch — genau das, was fünf parallel laufende Coding-Agenten brauchen, weil zwei Agenten im selben Verzeichnis sich gegenseitig die Dateien überschreiben. Git kann das seit Jahren; die Oberfläche ist nie mitgewachsen. Ein Worktree anzulegen heißt, den Branchnamen dreimal zu tippen: `git worktree add -b feat ../repo.feat`, dann `cd`, dann der Agent.

Worktrunk adressiert Worktrees über den Branchnamen und leitet den Pfad aus einem Template ab. `wt switch feat` springt hinein, `wt switch -c -x claude feat` legt den Worktree an und startet Claude Code darin, `wt remove` räumt Verzeichnis und Branch ab. Drumherum liegt, was Teams sonst von Hand skripten: Hooks für create, pre-merge und post-merge; aus dem Diff generierte Commit-Nachrichten; ein Merge-Befehl, der Squash, Rebase und Fast-Forward in einem Schritt erledigt; ein interaktiver Picker mit Live-Diff; eigene Dev-Server-Ports pro Worktree über einen `hash_port`-Filter; und — der Punkt, der bei Skalierung zählt — das Kopieren von Build-Caches statt `node_modules` neu zu installieren oder `target/` in jedem Checkout neu zu bauen.

Lizenz MIT/Apache-2.0, Installation über Homebrew, Cargo, pacman, conda oder winget; unter Windows zusätzlich als `git-wt`, weil `wt` mit dem Windows Terminal kollidiert. Ein Ein-Personen-Projekt, das sich selbst "den beliebtesten git-worktree-Manager" nennt — eine Behauptung, die der Sternverlauf stützt und der im git-Ökosystem derzeit niemand widerspricht.

Interessanter als das Werkzeug ist der Trend. Der Engpass agentischen Programmierens verschiebt sich von der Modellfähigkeit zur Umgebungsverwaltung: wessen Dateisystem, wessen Branch, wessen Port, wessen Cache. GitButler hat in Release 0.23 vergangene Woche Worktree-Unterstützung nachgeliefert; Orca, ein neuerer Anbieter, verteilt einen Prompt auf fünf Agenten in fünf Worktrees und lässt den Gewinner mergen. Anthropics eigene Claude-Code-Empfehlungen nennen das Worktree-Muster inzwischen namentlich.

Nichts davon ist KI. Alles davon ist das Gerüst, das KI im Parallelbetrieb über eine Demo hinausbringt — und der Grund, warum ein Ein-Personen-CLI für den Durchsatz eines Teams mehr zählen kann als das nächste Modell-Release.

Zu beobachten: ob die Worktree-Orchestrierung in die Agentenprodukte selbst wandert (Anthropic, OpenAI und Google liefern alle eigene CLIs) oder als Drittanbieterschicht bleibt. Der langfristige Wert eines solchen Werkzeugs liegt vollständig im zweiten Szenario.