Über Jahre hinweg bestand die Energiepolitik im Wesentlichen aus Ankündigungen stillgelegter Kraftwerke. 2026 gilt das Gegenteil: Ein Bericht, über den The Verge diese Woche schreibt, kommt zu dem Schluss, dass die Rückkehr der fossilen Stromerzeugung nicht mehr bevorsteht, sondern bereits stattgefunden hat – und zwar zu einem erheblichen Teil finanziert von Rechenzentren.
Die Mechanik ist einfach und unbequem. Rechenzentren brauchen grundlastfähige Leistung, die rund um die Uhr verfügbar ist, nicht die durchschnittliche Leistung eines Solarparks. Sie brauchen sie an einem bestimmten Ort, zu einem bestimmten Termin und in Größenordnungen, die die Lastprognosen vieler Versorgungsgebiete innerhalb von zwei Jahren um zweistellige Prozentpunkte verschoben haben. Was in dieser Zeit gebaut werden kann, ist in der Regel ein Gaskraftwerk: Planung und Errichtung dauern wenige Jahre statt eines Jahrzehnts wie bei Kernkraft, und die Anbindung an bestehende Netze ist oft vorhanden, weil dort schon einmal ein Kraftwerk stand.
Für die Betreiber ist das eine Lieferkettenfrage, keine Weltanschauung. Sie haben sich verpflichtet, Rechenleistung zu Terminen zu liefern, und die Strafe für Verspätung ist höher als der Preisunterschied zwischen sauberem und fossilem Strom. Die 24/7-Ziele für kohlenstofffreie Energie, die viele von ihnen verkündet haben, messen den Jahresdurchschnitt und erfassen eine Gaslücke um drei Uhr morgens nicht.
Das Ergebnis ist eine neue Generation fossiler Infrastruktur mit einer Lebensdauer von drei bis vier Jahrzehnten, die auf einer Nachfrageprognose aus einer Phase des Ausbaus beruht. Genau darin liegt das Risiko: Wenn die Effizienz der Modelle schneller steigt als die Nachfrage – oder wenn sich die Nachfrage nach Inferenz auf günstigere Regionen verlagert –, bleiben Kapazitäten übrig, für die Verbraucher weiter zahlen. Umgekehrt gilt: Wenn der Ausbau so weiterläuft wie bisher, sind die Emissionen dieses Jahrzehnts bereits festgeschrieben, unabhängig davon, was Netze und Staaten später beschließen.
Es gibt Gegengewichte. Gaskraftwerke lassen sich mit Wasserstoff betreiben – in der Praxis bisher selten und teuer. Nukleare Stromabnahmeverträge werden geschlossen, zuletzt für kleine modulare Reaktoren an einem ehemaligen Kohlekraftwerksstandort in Indiana. Und es gibt Anbieter, die Rechenzentren netzdienlich betreiben wollen, indem sie ihre Last verschieben, statt neue Kraftwerke zu verlangen. Das sind reale Ansätze, aber sie skalieren alle langsamer als die Nachfrage steigt.
Die ehrliche Zusammenfassung: Das Klimaversprechen der Branche lautete, Rechenzentren würden die Energiewende finanzieren. Derzeit finanzieren sie die Gegenrichtung.




