Ein kleiner Stecker für die Fahrzeugdiagnose, 99 Dollar, verspricht viel: zu wissen, wo das Auto steht, im Ernstfall Hilfe zu rufen – und all das, ohne die Daten zu verkaufen, die diese Funktionen überhaupt möglich machen. Genau diese Kombination ist der Grund, warum The Verge das Gerät getestet hat.

Vernetzte Autos sind inzwischen ein Datengeschäft. Moderne Fahrzeuge protokollieren Standort, Geschwindigkeit, Bremsverhalten und Fahrzeugzustand und leiten diese Ströme an Hersteller, Versicherer und Datenhändler weiter. Wer ein älteres Modell fährt oder dem eingebauten System nicht traut, hatte bisher meist die Wahl zwischen Bastellösung und Abonnement. Ein 99-Dollar-Stecker mit ausdrücklichem Verkaufsverbot ist eine Antwort auf diese Lücke – und ein Testfall dafür, ob Datenschutz als Produktmerkmal funktioniert oder nur als Marketing.

Die Fragen, die vor dem Kauf zählen, stehen nicht auf der Verpackung.

Erstens: Wo werden die Daten verarbeitet, und wie lange bleiben sie? Ein Gerät, das im Auto auswertet und nur Ereignisse überträgt, ist ein grundlegend anderes Produkt als eines, das in der Cloud eine dauerhafte Ortungsspur führt. Zweitens: Wer kann diese Spur sehen – nur der Halter oder auch der Dienstleister, der den Notruf abwickelt? Drittens: Was passiert bei einer Anfrage der Strafverfolgung, und gibt es dazu eine veröffentlichte Richtlinie? Viertens: Was passiert bei Übernahme oder Insolvenz? Ein Datenschutzversprechen, das an ein Unternehmen statt an eine Architektur gebunden ist, hält nur so lange wie dessen Eigentümerstruktur. Fünftens: Sind die 99 Dollar der ganze Preis, oder kommt eine Mobilfunkgebühr hinzu, die das Abonnementmodell der Hersteller stillschweigend reproduziert?

Der größere Zusammenhang macht das dringlicher als das Produkt selbst. Fahrzeugdaten sind in mehreren Rechtsräumen Gegenstand von Aufsichtsverfahren geworden, und Versicherer nutzen Telematik nicht mehr nur für Rabatte, sondern für die Risikobepreisung insgesamt. Ein Gerät, das den Datenstrom kontrollierbar macht, verschiebt deshalb auch die Frage, wer über den Fahrer urteilt.

Das ist ein vernünftiges Produkt. Aber es ist kein Datenschutz, den man einmal kauft und dann besitzt. Es ist eine Übereinkunft mit einem Unternehmen, das seine Meinung jederzeit ändern kann – es sei denn, das Versprechen steckt in der Architektur: lokale Verarbeitung, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, löschbarer Verlauf, offengelegte Anfragen. An diesem Maßstab sollte man das Gerät messen, nicht am Text auf der Schachtel.