Ein von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth vorangetriebenes Screening auf niedrigen Testosteronspiegel könnte nach einer von Ars Technica berichteten Analyse bis zu 25 Prozent der Armee erfassen.

Die Zahl ist die eigentliche Nachricht. Testosteronmangel ist ein reales klinisches Bild, aber die Schwelle, die ihn definiert, ist keine klare Linie: Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Leitlinien, verschieben sich mit Alter und Tageszeit, und ein Einzelwert schwankt naturgemäß. Wer den Grenzwert weiter fasst, erfasst schnell einen großen Teil jeder gesunden erwachsenen männlichen Bevölkerung. Auf dem beschriebenen Niveau würde das Programm nicht einen Rand kranker Soldaten markieren, sondern etwa jeden vierten Soldaten zum Patienten machen.

Deshalb gilt das Screening als fragwürdig. Ein Test, dessen Positivrate im zweistelligen Prozentbereich einer ganzen Truppe liegt, sagt mehr über den Grenzwert aus als über die Gesundheit der Getesteten – und bringt das Militär in die Lage, über ein Viertel des eigenen Personals entscheiden zu müssen: medizinisch, administrativ oder nur auf dem Papier.

Die verfügbare Berichterstattung klärt nicht, welcher Grenzwert die 25 Prozent erzeugt, wie viele Tests ein Soldat bestehen muss, ob eine Diagnose Einsatz, Verbleib oder Beurteilungen beeinflusst und was das Verteidigungsministerium mit den Ergebnissen vorhat.

Klar ist die Lücke zwischen Screening-Programm und Evidenzbasis hinter dem Grenzwert. Eine Hormonreihenuntersuchung einer gesamten Belegschaft ist ein ungewöhnlicher Eingriff der öffentlichen Gesundheit – mit Kosten, die die Betroffenen tragen, bevor überhaupt eine Behandlung entsteht.

Der nächste zu beobachtende Wert ist keine weitere Schätzung, sondern die vom Pentagon selbst gemeldete Trefferquote, sobald das Screening in großem Maßstab läuft.