Immer mehr Menschen weltweit erhalten die Diagnose einer seltsamen, potenziell lebensbedrohlichen Allergie gegen rotes Fleisch – verursacht nicht durch das Fleisch selbst, sondern durch Zeckenstiche.
Das sogenannte Alpha-Gal-Syndrom entwickelt sich, wenn ein Mensch mindestens zweimal von Zecken gebissen wird, die in ihrem Speichel ein Zuckermolekül namens Alpha-Gal tragen. Der Biss löst Immunglobulin-E-Antikörper aus; spätere Kontakte mit Alpha-Gal – enthalten in rotem Fleisch und Milchprodukten – können allergische Reaktionen von Bauchschmerzen bis zu lebensbedrohlicher Anaphylaxie auslösen. Weltweit sind mindestens zwei Menschen daran gestorben.
Die Fallzahlen steigen in vielen Ländern. Australien weist die höchsten Raten der Welt auf: In manchen zeckenreichen Regionen sind über 700 von 100.000 Menschen betroffen, und die Verdachtsfälle steigen seit 2020 um jährlich 22 Prozent, meist durch die Australische Lähmungszecke. In den USA könnten nach Angaben der CDC bis zu 450.000 Menschen betroffen sein, mit rund 15.000 Neudiagnosen pro Jahr, vor allem durch die Einsame-Stern-Zecke. In Japan wurden bis zu 4,9 Millionen Menschen Alpha-Gal ausgesetzt und bildeten Antikörper; in Dänemark verdoppelte sich die Sensibilisierung zwischen 1990 und 2016.
Forscher nennen den Klimawandel – der Zeckenlebensräume ausweitet – und wachsende Hirschbestände als Haupttreiber. Doch vieles bleibt unbekannt: Die Symptome sind vage und treten teils Stunden nach dem Fleischkonsum auf, weshalb die Allergie vermutlich unterdiagnostiziert ist. Eine Behandlung oder Heilung gibt es nicht.
"Wir tasten noch im Dunkeln, aber es ist unsere Verantwortung, etwas zu finden, das für die Betroffenen funktioniert", sagt Benjamin Casterline, Immunologe an der University of Missouri School of Medicine.




