Die Schweizer Bundeskanzlei hat ein Programm für souveräne Arbeitsplatzsoftware gestartet und damit den bislang konkretesten Schritt der Schweiz hin zur Verringerung der Abhängigkeit von Microsoft 365 innerhalb der Bundesverwaltung eingeleitet.

Das von der Bundeskanzlei angekündigte Programm zielt darauf ab, eine Open-Source-Alternative zum Office-Produktivitätspaket von Microsoft zu entwickeln und in kritischen Bundesbereichen einzusetzen. Die Zielgruppe umfasst rund 3.000 Nutzerinnen und Nutzer bis Ende 2027; die souveräne Plattform soll in der Anfangsphase parallel zu Microsoft 365 betrieben werden.

Die Initiative wird mit 9 Millionen Franken initial finanziert, aus Mitteln, die das Parlament für eine Open-Source-Plattform zur Büroautomation bewilligt hat. Vorausgegangen war eine Machbarkeitsstudie (PoC BOSS), an der 172 Testpersonen aus mehreren Departementen teilnahmen.

Die Studie ergab, dass browserbasierte Open-Source-Werkzeuge für zentrale Standardprozesse — Dokumentbearbeitung, Dateiablage, Kollaboration, E-Mail und Kalender — grundsätzlich geeignet sind. Zudem konnte die Lösung als Notfallvariante bei einem Ausfall von Microsoft 365 dienen. Einschränkungen zeigten sich insbesondere bei großen Videokonferenzen.

Die Bundeskanzlei räumte ein, dass eine großflächige Einführung erhebliche Zusatzinvestitionen in Anpassungen, Sicherheitsabklärungen, Infrastruktur und Mitarbeiterschulung erfordern würde — und numerosse Bundesapplikationen seien eng mit der Microsoft-Architektur verknüpft, was einen vollständigen Ersatz zu einem Langzeitprojekt mache.

Die Schweiz hat die digitale Souveränität zum Schwerpunktthema der Strategie Digitale Schweiz 2026 erklärt. Das Programm schließt an den europäischen Trend an, dass Regierungen Alternativen zu US-basierten Cloud- und Produktivitätsplattformen untersuchen; das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein, das bereits weitgehend auf Open-Source-Bürowerkzeuge umgestiegen ist, wird als konkreter Referenzpunkt genannt.