Squarespace baut rund 19 Prozent seiner weltweiten Belegschaft ab – nach Angaben des Unternehmens etwa 300 Stellen. „Die Änderungen sollen vereinfachen, wie wir arbeiten, unsere Prioritäten schärfen und uns schneller machen, während wir Squarespace für seine nächste Wachstumsphase aufstellen", sagte der PR-Beauftragte Jeff Seedman. The Verge berichtete zuerst, Reuters meldete später unter Berufung auf Eingeweihte, die Kürzungen träfen überwiegend Produkt und Entwicklung.
Beides zusammen ist die eigentliche Nachricht. Ein Website-Baukasten, der Stellen streicht, ist keine Besonderheit. Ein Website-Baukasten, der zuerst jene Teams verkleinert, die Produkt und Code verantworten, sagt etwas über die Richtung des Geschäfts.
Der Markt, der sich unter der Firma bewegt
Website-Erstellung hat sich in drei Jahren neu erfunden. Generative Werkzeuge, die aus einem Prompt eine funktionsfähige Oberfläche bauen, haben die Eintrittsschwelle praktisch abgeschafft. Der Wettbewerb ist nicht mehr der andere Baukasten, sondern das Modell selbst: Wix kaufte im vergangenen Jahr Base44 für 80 Millionen Dollar, Lovable sammelte im August 400 Millionen Dollar Serie C bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden ein, Google brachte mit Stitch ein Werkzeug für schnelle UI-Entwürfe heraus.
Squarespace hat darauf mit eigenen KI-Produkten geantwortet – 2024 mit Blueprint, zuletzt mit Forma, einer „AI-native" Plattform, für die man sich auf eine Warteliste setzen kann. Das Unternehmen ist also nicht untätig. Nur ist die Frage, ob eine Plattform, deren Versprechen jahrelang lautete „du musst nichts über Webdesign wissen", in einer Welt noch gebraucht wird, in der niemand mehr etwas über Webdesign wissen muss – oder ob sie zur bloßem Hosting mit hübscherer Oberfläche wird, während Prompt-Tools die Beziehung zum Kunden übernehmen.
Die Zahlen hinter der Firma
Squarespace wurde 2004 gegründet, ging 2021 mit einer Bewertung von 10 Milliarden Dollar an die Börse und fand danach lange kein überzeugtes Publikum an den öffentlichen Märkten. 2024 ging das Unternehmen über einen Private-Equity-Deal im Volumen von 7 Milliarden Dollar wieder von der Börse. Ein Unternehmen in Private-Equity-Besitz hat andere Zwänge als ein börsennotiertes: weniger Quartalsdruck, dafür Zinslast und eine Eigentümerin mit Exit-Horizont. Kostensenkungen dieses Umfangs sind in diesem Kontext kein Signal des Scheiterns, sondern das erwartbare Werkzeug.
Bemerkenswert bleibt der Zeitpunkt und die Reihenfolge. Squarespace hat am selben Tag Stellen gestrichen wie SUSE – dort mit ausdrücklicher Begründung „Automatisierung und KI", hier mit „Straffung der Organisation". Zwei Unternehmen, zwei Formulierungen, ein Muster: Die Umstellung wird nicht mehr als Investition in die Zukunft erzählt, sondern als Verkleinerung der Gegenwart.




