Rest of World, die 2020 gegründete Publikation über Technologie jenseits des Westens, wird Ende Januar aufhören, als eigenständige Redaktion zu publizieren. Gründerin und Hauptfinanziererin Sophie Schmidt schrieb das ihren Förderern per E-Mail, berichtet die New York Times; Semafor berichtet unter Berufung auf zwei mit den Plänen vertraute Personen, es sei bereits ein Termin für eine geordnete Abwicklung Ende Januar gewählt. Gesucht wird weiterhin eine große Institution, die das Blatt übernimmt.
Der Grund, den die Beteiligten selbst nennen, ist kein redaktionelles Scheitern. Es ist Reichweite: ein Einbruch des Web-Traffics über etwa 18 Monate, mit einem scharfen Rückgang zu Beginn der zweiten Trump-Regierung. Rest of World verlagerte den Schwerpunkt auf westliche Leser und auf China-Berichterstattung, weil man dort mehr amerikanisches Interesse vermutete — ohne Erfolg. Man baute eine Registrierungsschranke vor die Artikel ein — ohne Erfolg. Nach Angaben der Redaktionsleitung wanderten Leser, die sich zuvor für globale Themen interessierten, zu Podcasts, YouTube und KI-Chatbots.
60 Millionen Dollar kauften keine Distribution
Rest of World startete als gemeinnütziges Projekt, finanziert von Schmidt und nicht von Werbung oder Abos. Sie sagte dem Wall Street Journal kurz nach dem Start, sie wolle 60 Mio. Dollar zuschießen — und beschrieb die Publikation als ihr "Lebensprojekt". Das Geld kaufte eine Redaktion, ein globales Netz freier Autorinnen und Autoren und Anerkennung: Recherchen über organisierte Uber-Eats-Fahrer in Südafrika, über Technologie zur Kartierung indigenen Landes im ländlichen Borneo. Es kaufte keine Verteilung.
Das ist die eigentliche Nachricht. Ein Blatt mit einer der größten Einzelstiftungen im Tech-Journalismus ist nicht an fehlendem Geld gescheitert, sondern daran, dass der Kanal, über den Leser es finden sollten, sich unter ihm weggezogen hat. Plattformen stufen Nachrichtenlinks zurück; Suchmaschinen beantworten Fragen zunehmend selbst. Wer eine Zusammenfassung bekommt, klickt nicht.
Die Rechnung, die gerade bei Verlagen eintrifft
Seit zwei Jahren ist bekannt, dass KI-Antworten Klicks kosten. Rest of World ist einer der ersten Fälle, in dem dieser Effekt nicht als Prognose, sondern als Abwicklungsdatum auftaucht — und in dem die Betroffenen ihn selbst so benennen. Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Erst kam der Traffic-Einbruch, dann die Strategiewechsel, dann die Suche nach einem institutionellen Zuhause. Die publizistische Reaktion folgte der Verteilung, nicht umgekehrt.
Für die Tech-Berichterstattung ist der Verlust konkret. Ein großer Teil der Berichterstattung über Plattformarbeit, Digitalpolitik und Hardware-Märkte in Afrika, Asien und Lateinamerika stammte aus einem kleinen Kreis von Redaktionen, die dafür eigene Leute vor Ort hatten. Weniger solche Redaktionen heißt: weniger Primärquellen für alle anderen, die über dieselben Konzerne schreiben.
Was als Nächstes passiert
Schmidt führt Gespräche mit mehreren großen Institutionen über eine Übernahme; sie lehnte eine Stellungnahme gegenüber Semafor ab. Eine mit ihren Überlegungen vertraute Person sagte, sie sei stolz auf die Redaktion und deren Journalismus, doch die sinkenden Reichweiten hätten deren Wirkung verringert. Das ist die ehrlichste Zeile in der ganzen Angelegenheit — und die unbequemste: Impact wird in diesem Geschäft an Publikum gemessen, nicht an Relevanz.
Bis Ende Januar erscheint Rest of World weiter. Danach hängt alles daran, ob eine Universität, eine Stiftung oder ein größeres Medienhaus einspringt — und ob es das mit einem Budget tut, das mehr als redaktionelle Arbeit deckt.
Quellen
- storyboard18.comStoryboard18: Rest of World faces shutdown as traffic decline hits global tech news startup (citing Semafor and NYT)
- bestmediainfo.comBestMediaInfo: Rest of World faces possible January shutdown amid declining website traffic
- mediagazer.comMediagazer: Rest of World credits Google search traffic decline from AI summarisation
- x.comMax Tani on X: Rest of World to shut down in January, citing decline in Google search traffic because of AI summarization




