Planet Labs hat nach einem Bericht von Golem.de eine Satellitenfertigung in Berlin in Betrieb genommen und damit die Produktionsbasis des US-Erdbeobachtungsunternehmens nach Europa erweitert.

Das Geschäft von Planet ruht auf einem grundlegend anderen Modell als die einmaligen, mit höchstem Aufwand gebauten Raumfahrzeuge, die die Branche jahrzehntelang dominierten. Das Unternehmen betreibt eine große Flotte kleiner Bildgebungssatelliten, die laufend ersetzt werden, sobald Einheiten altern oder ausfallen — genau das erlaubt es, dieselbe Fläche etwa täglich abzubilden. Eine solche Konstellation am Leben zu halten, hängt weniger an einem einzelnen Satelliten als an einer stetigen, günstigen Nachschublinie — und die liefert eine eigene Fabrik.

Eine solche in Deutschland anzusiedeln, ist eine Aussage darüber, wohin die Nachfrage geht. Europäische Regierungen und Behörden weiten ihre Erdbeobachtungs- und Weltraumbudgets aus, und Käufer aus Verteidigung und Katastrophenschutz interessieren sich zunehmend für Bilder mit kurzen Wiederholraten, um Infrastruktur, Katastrophen, Grenzen und militärische Aktivität zu beobachten. Fertigung vor Ort verkürzt den Weg von der Bestellung zum einsatzfähigen Satelliten und bedient eine politische Präferenz — sichtbar in der gesamten EU-Industriepolitik — für Kapazitäten, die in Europa statt im Ausland entstehen.

Berlin ist zu einem der Anker dieser Ambition geworden, mit einem Cluster aus Raumfahrtunternehmen und Forschungsinstituten in der Stadt. Eine Fertigungslinie in der Hand eines großen Bildgebungsbetreibers schafft einen Kunden für lokale Zulieferer und ein Ausbildungsfeld für die Arbeitskräfte, die der Sektor stets als fehlend beklagt.

Die offenen Fragen sind die vertrauten für Hardware in Europa: Wie viel des Satelliten — Bauteile, Optik, Sensoren — tatsächlich lokal gefertigt und wie viel aus importierten Teilen montiert wird, und ob die Fabrik mit einer Auslastung läuft, die ihre Kosten rechtfertigt. Keines davon entscheidet der Start allein.

Zu beobachten: der angekündigte Fertigungstakt und mögliche Ankerkunden sowie die Frage, ob öffentliche Aufträge europäischer Stellen hinzukommen.