Nvidia hat sich an einer Runde beteiligt, deren Software Unternehmen dabei helfen soll, mit weniger GPUs auszukommen. Das klingt nach einem Geschäft, das dem eigenen Kerngeschäft schadet. Tatsächlich ist es der Versuch, die Nachfrage dorthin zu lenken, wo sie ohnehin nicht mehr bedient werden kann.

Die Bengaluru-Firma Simplismart hat eine Series B über 14 Millionen Dollar abgeschlossen; Nvidia investierte neben Accel, Shastra VC und Micromax, angeführt wurde die Runde von Dallas Venture Capital. Die Bewertung liegt inklusive des neuen Kapitals bei rund 100 Millionen Dollar. Gegründet wurde das Unternehmen 2022 von Amritanshu Jain, früher Oracle, und Devansh Ghatak, früher Google, die sich während ihres Studiums am BITS Pilani kennenlernten; heute beschäftigt es 58 Menschen.

Die Software sitzt zwischen Modell und Recheninfrastruktur. Sie passt an, wie ein Modell ausgeliefert und betrieben wird — Antwortzeit, Durchsatz, Speicherbedarf — und sucht pro Kunden den Punkt, an dem Geschwindigkeit, Kosten und Qualität zusammenpassen. Jain formuliert den Kern so: „Niemand braucht tatsächlich die schnellste oder die billigste Inferenz.“ Unternehmen bräuchten Modelle mit Geschwindigkeiten und Kosten, die zu ihrer Anwendung passen. Der Baustein dafür ist offenbar eine Art Automatisierung der Konfigurationsarbeit, die sonst Teams aus ML-Ingenieuren erledigen. Als Beleg nennt das Unternehmen die Videoplattform InVideo, die ihre GPU-Serving-Kosten um 56 Prozent gesenkt habe; HeyGen, Higgsfield und Ema gehören ebenfalls zu den Kunden, der indische Cloud-Anbieter Yotta nutzt die Technik für seinen serverlosen Inferenzdienst.

Das Geschäft wächst schnell, gemessen an dem, was das Unternehmen selbst sagt: Die annualisierte Umsatzrate sei in sechs Monaten um das 14-Fache gestiegen und liege nun im achtstelligen Bereich. Das ist keine vertraglich gebundene wiederkehrende Einnahme, sondern eine Hochrechnung aus der aktuellen Nutzung, ohne durchgereichte Infrastrukturkosten. Mehr als die Hälfte des Umsatzes komme aus den USA — bei mehr Kunden in Indien.

Bemerkenswert ist der Abstand zu den Erwartungen. Die Wirtschaftszeitung The Economic Times hatte berichtet, Simplismart verhandle über 40 bis 50 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 300 bis 400 Millionen. Jain wollte das nicht kommentieren, sagte aber, das Unternehmen sei nicht aktiv auf Kapitalsuche und die Series B sei geschlossen und werde nicht verlängert. Zwischen 100 und 300 Millionen liegt der Unterschied zwischen einem soliden Infrastruktur-Deal und einem Beweis, dass Inferenzoptimierung als eigenes Geschäft trägt.

Nvidia ist kein naiver Geldgeber in dieser Frage. Der Chipkonzern arbeitet ohnehin mit dem Startup an technischen Integrationen rund um seine Inferenzsoftware Dynamo, stellt Lösungsarchitekten und vermittelt Kunden. Jain argumentiert, effizientere Inferenz mache die Hardware für mehr Kunden attraktiv und verbreitere die Nutzung von KI-Anwendungen insgesamt. Das ist die Standardantwort der Branche auf den Effizienz-Einwand, und sie ist nicht falsch — sie erklärt nur nicht, was passiert, wenn die Effizienz schneller steigt als die Nachfrage.

Der Wettbewerb in diesem Segment ist bereits dicht: Nvidia selbst, AWS, Google Cloud und Microsoft Azure bieten eigene Inferenzwege, und zahlreiche Start-ups arbeiten an schnelleren und billigeren Modellläufen. Jain sieht die Nische bei Kunden mit harten SLAs und hartem Total-Cost-of-Ownership-Druck, nicht bei denen, die zwischen zwei Voreinstellungen für „schnell“ und „billig“ wählen wollen. Mit dem Geld will Simplismart vor allem in den USA wachsen — also dort, wo der Umsatz schon heute herkommt.