OpenAI hat am Montag GPT-6.1 Terra veröffentlicht — ein Modell der mittleren Preisklasse, das auf Bildschirmlektüre und Klickarbeit ausgelegt ist, also auf die langweilige Hälfte dessen, was Agenten tatsächlich tun.

Terra ersetzt GPT-5.6 Terra und schließt eine Lücke, die OpenAI selbst gerissen hat: Beim DevDay am 29. September zogen Sol und Luna in die GPT-6-Generation um, Terra blieb auf der alten Version zurück. Das neue Modell liegt im Portfolio zwischen Luna und Sol/Astra und soll Kosten, Tempo und Fähigkeit ausbalancieren. Astra bleibt das Flaggschiff.

Die Preise sind das Argument. Terra kostet 1 Dollar pro Million Eingabetoken, 5 Cent pro Million gecachter Eingabetoken und 5 Dollar pro Million Ausgabetoken — laut OpenAI 50 Prozent weniger als GPT-5.6 Terra und GPT-6.1 Sol. Bei langen, mehrstufigen Arbeitsabläufen ist der Tokenpreis nicht der entscheidende Wert, sondern der Preis pro erledigter Aufgabe; und genau darauf zielt die Kommunikation.

Die vorgelegten Zahlen, alle aus OpenAIs eigener Auswertung: Auf dem Agents' Last Exam, einem Benchmark für berufliche Aufgaben — etwa Architekturzeichnungen in ein 3D-Modell zu übersetzen —, liegt Terra bei mittlerem Reasoning-Aufwand 15 Prozentpunkte über GPT-5.6 Terra, zu rund einem Drittel der Kosten. Gegenüber GPT-6 Astra sei man bei einem Zehntel des Tokenpreises gleichauf. Bei maximalem Aufwand sei Terra mehr als dreimal token-effizienter als Anthropics Claude Opus 5.5, bei einem Viertel des Tokenpreises, was unterm Strich die neunfache Kostenersparnis pro Aufgabe ergeben soll. Aufgaben erledige das Modell zudem mehr als dreimal so schnell wie Astra und GPT-6.1 Sol.

Auch die Fehlerquote adressiert OpenAI direkt. In einem internen Test mit Fragen, die zu falschen Antworten verleiten, sank der Anteil faktisch fehlerhafter Antworten bei niedrigem Reasoning-Aufwand von 53,6 auf 16,7 Prozent; bei maximalem Aufwand auf 4,3 Prozent, nahe Astra und Sol. Auf Terminal-Bench 4.0, das Kommandozeilen-Agenten prüft, löste Terra bei maximalem Aufwand 50,3 Prozent der Aufgaben — mehr als das Doppelte der 21,5 Prozent, die für GPT-5.6 Terra veröffentlicht wurden. Für die härtesten Programmieraufgaben bleiben Sol und Astra laut OpenAI die bessere Wahl.

Sicherheitsseitig erreicht Terra die Stufe „Critical“ im Bereich Cybersicherheit nach OpenAIs Preparedness Framework und erbt die Schutzmaßnahmen von GPT-6 Astra; Details stehen in einem Nachtrag zum System Card von Astra. Gegen Prompt-Injection will das Modell laut Hersteller widerstandsfähig sein.

Einordnung: Die Ankündigung ist ein Preis- und Effizienzschlag, kein Fähigkeitssprung. OpenAI verkauft nicht das klügste Modell, sondern das günstigste, das lange genug am Bildschirm arbeitet, bis eine Aufgabe fertig ist — und nennt dabei den Wettbewerber beim Namen. Alle genannten Benchmarks stammen vom Anbieter selbst; unabhängige Auswertungen stehen noch aus, und die Erfahrung mit Herstellerzahlen zu Agenten-Aufgaben rät zu Zurückhaltung.

Terra ist ab sofort in ChatGPT Work und Codex für Plus-, Pro-, Enterprise- und Edu-Kunden verfügbar; Entwickler erreichen es über die API als gpt-6.1-terra. Das ChatGPT-Kontingent soll mit Terra mehr Aufgaben abdecken als mit GPT-5.6 Terra und deutlich mehr als mit Sol oder Astra.