Wassereis, tief in den schattigen Polkrattern des Mondes vergraben, könnte allein durch das richtige Lauschen auf Vibrationen auffindbar sein. Eine am 31. Juli in Science Advances veröffentlichte Studie von Geologen der University of Maryland, des Lawrence Berkeley National Laboratory und der University of Hawaii zeigt, dass seismische Wellen Eis unter der Mondoberfläche orten und kartieren könnten.

Gefrorener Boden und trockener Boden verhalten sich sehr unterschiedlich, wenn eine seismische Welle durch sie hindurchläuft: Eis versteift das Material und lässt Vibrationen zwei- bis dreimal schneller reisen als durch trockene Erde; eisreiche Zonen können seismische Energie zudem zurückwerfen wie ein Echo von einer Wand. Das Team testete die Idee auf drei Wegen — es fror zerstoßenes Vulkangestein aus Arizona ein, das Mondstaub nachahmt, und durchleuchtete per Röntgen, wie sich Eis in die Zwischenräume der Körner setzt; es modellierte Temperaturkarten der Südpolregion, um Krater zu finden, die kalt genug sind, Eis milliardenlang zu bewahren; und es simulierte kleine Mondbeben, die durch unterirdisches Eis laufen. In jedem Fall hinterließ das Eis klare, messbare Spuren in den seismischen Daten.

Der Zeitpunkt ist entscheidend: Das Artemis-Programm der NASA zielt 2028 auf bemannte Landungen in der Südpolregion des Mondes, und vergrabenes Eis könnte Trinkwasser, atembaren Sauerstoff und Raketentreibstoff liefern — Ressourcen, die es Missionen ermöglichen, vom Land zu leben, statt Vorräte von der Erde zu schleppen. Chinas Chang'e-7-Mission mit einem Seismometer soll Ende 2026 nahe dem Shackleton-Krater landen, in der Nähe zahlreicher vermuteter Eisvorkommen — eine Chance für die Forscher, ihre Vorhersagen innerhalb weniger Jahre zu testen.

Über den praktischen Nutzen hinaus ist Mond-Eis ein wissenschaftliches Archiv. Da die Gesteine des Mondes rund vier Milliarden Jahre alt sind, könnte in schattigen Kratern ungestört eingeschlossenes Eis enthüllen, wie Wasser ins frühe Sonnensystem gelangte — und letztlich, wie die Ozeane der Erde entstanden.