Microsoft will sich von Arkane trennen, und der Verkauf ist offenbar weiter fortgeschritten als bisher bekannt. Nach einem Bericht von Bloomberg, für den Jason Schreier mit Verhandlungskreisen sprach, liegen Angebote mehrerer Spielefirmen vor — darunter Ubisoft und mindestens zwei weitere. Xbox habe zudem einen Verkauf an das Management des Studios erwogen, wodurch Arkane unabhängig werden könnte.
Ein Preis ist nicht bekannt, eine Einigung gibt es noch nicht. Ein Xbox-Sprecher sagte lediglich, man prüfe Optionen vor einer Frist im Dezember. Ubisoft wollte sich zunächst nicht äußern.
Was verkauft wird
Arkane wurde 1999 in Lyon gegründet, entwickelte nach dem Rollenspiel Arx Fatalis (2002) das Action-Rollenspiel Dark Messiah of Might and Magic (2006) und landete nach der Übernahme durch ZeniMax Media im Jahr 2010 mit Dishonored (2012), Dishonored 2 (2016) und dem Zeitschleifen-Shooter Deathloop (2021) bei einem größeren Publikum. Der Ableger Arkane Austin entwickelte Prey (2017) und Redfall (2023); Microsoft schloss das texanische Studio im Mai 2024.
Mit der Übernahme von ZeniMax für 7,5 Milliarden Dollar kam Arkane 2021 zu Microsoft. Der Konzern hat seitdem mehrfach umgebaut: Im Juli 2026 kündigte Xbox-Chefin Asha Sharma den Abbau von rund 3.200 Stellen und den Abschied von mehreren Studios an. In ihrem Memo schrieb sie zu Arkane, das Management prüfe strategische Optionen — der Satz, der in dieser Branche traditionell einen Verkaufsprozess einleitet.
Warum ausgerechnet jetzt
Für Microsoft ist Arkane kein Wachstumsmotor mehr, sondern ein Studio mit einem teuren, lange laufenden Projekt. Marvel's Blade wurde 2023 angekündigt, soll laut Bloomberg in den nächsten ein bis zwei Jahren erscheinen, und ein Verkauf würde die Arbeit daran nicht beenden — er würde sie aus der Xbox-Bilanz nehmen. Genau das ist das Muster der letzten zwei Jahre: nicht Studios schließen, sondern Studios abgeben, wenn ein Käufer den Betrieb weiterfinanziert.
Für Ubisoft wäre es eine Rückkehr zu einem alten Bekannten. Der Publisher arbeitet bereits mit Arkane zusammen: Eine von Ubisoft genehmigte Community Edition von Dark Messiah mit Koop-Modus und Linux-Support ist derzeit in Arbeit, und Ubisoft hält bis heute die Rechte an der Marke Might and Magic.
Der eigentliche Signalwert
Die Zahlen des Deals sind uninteressant, solange sie unbekannt sind. Interessant ist die Richtung. Ein Studio, das zwei der besten Stealth-Spiele des vergangenen Jahrzehnts gemacht hat, steht zum Verkauf, während der Konzern, dem es gehört, Rekordumsätze im Cloud- und KI-Geschäft meldet. Das ist die Konsolidierungslogik der Plattformära in einem Satz: Studios sind keine strategischen Assets mehr, sondern Positionen, die man auf stockt oder schließt, wenn die interne Rendite nicht stimmt.
Offen ist, was ein Verkauf für die Beschäftigten in Lyon bedeutet und ob Marvel's Blade unter einem neuen Eigentümer weiterläuft wie geplant. Beides hängt am Käufer — und der ist bis zur Dezemberfrist offen.




