Der Krebs, der sich versteckt

Einige Krebszellen haben einen erschreckenden Trick: Sie können in einen ruhenden, schlafähnlichen Zustand eintreten, der ihnen hilft, Chemotherapie und anderen Behandlungen zu überleben. Statt zu wachsen und sich zu teilen, werden diese Zellen weitgehend inaktiv — sie verstecken sich effektiv vor Medikamenten.

Wissenschaftler der ETH Zürich haben nun eine clevere Lösung entwickelt: einen lichtgesteuerten molekularen Schalter, der schlafende Krebszellen weckt und sie wieder angreifbar macht.

Die lichtaktivierte Lösung

Der Durchbruch des ETH Zürich-Teams: ein dreiteiliger molekularer Schalter, der Glukokortikoid-Rezeptoren gezielt in Tumorzellen zerstört — aber durch Licht in gesundem Gewebe abgeschaltet werden kann.

- Teil 1 heftet sich an den Glukokortikoid-Rezeptor - Teil 2 heftet sich an das Enzym, das Proteine zur Entsorgung markiert - Teil 3 ist ein flexibler Verbinder dazwischen

Unter normalen Bedingungen bleibt der Verbinder ausgestreckt und bringt das Enzym nahe genug, um den Rezeptor zur Zerstörung zu markieren. Die Zelle baut den Rezeptor ab und weckt die Krebszelle aus ihrem Schlaf.

Bei Licht einer bestimmten Wellenlänge biegt sich der Verbinder jedoch, sodass Enzym und Rezeptor nicht mehr ausgerichtet werden können. Der Rezeptor überlebt, und gesundes Gewebe bleibt unbeschädigt.

Präzisionsmedizin mit Licht

Das Ziel: den molekularen Schalter direkt in einen Tumor injizieren, dann Licht auf die Stelle richten, um Moleküle zu deaktivieren, die in umliegendes gesundes Gewebe abwandern.

In Laborkulturen von Lungenkrebszellen baute die Behandlung die Glukokortikoid-Rezeptoren schnell ab, und die Zellen verließen ihren Ruhezustand.

Über Lungenkrebs hinaus

Das modulare System könnte auch auf andere Rezeptoren angepasst werden — darunter den Östrogenrezeptor bei hormonsensitivem Brustkrebs und den Androgenrezeptor bei fortgeschrittenem Prostatakrebs.