Ein Börsengang, der Maßstäbe setzt
Jio Platforms, der Telekom- und Digitalarm von Mukesh Ambanis Reliance, legte am Mittwoch ein Debüt von plus 21 Prozent hin. Die Aktie eröffnete bei 1.358 Rupien (rund 14 Dollar) gegenüber einem Ausgabepreis von 1.119 Rupien (rund 12 Dollar). Damit wird Jio mit etwa 12,5 Billionen Rupien – rund 132 Milliarden Dollar – bewertet und ist nach der Muttergesellschaft Reliance Industries (etwa 16 Billionen Rupien, rund 169 Milliarden Dollar) das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen Indiens.
Die Emission hatte 3,2 Milliarden Dollar eingebracht und war 22,19-fach überzeichnet. Mehr als 13,8 Millionen Anleger zeichneten – Indiens größter und am stärksten nachgefragter Börsengang, mit über 77 Milliarden Dollar an Geboten. Die Zeichnungsfrist lief vom 21. bis 22. Oktober, und das gesamte Volumen bestand aus neuen Aktien: Kein Altaktionär verkaufte, auch Meta und Google nicht.
Die Neubewertung in Zahlen
Als Meta und Google 2020 einstiegen – mit 5,7 beziehungsweise 4,5 Milliarden Dollar –, lag die Bewertung bei bis zu 4,91 Billionen Rupien, damals rund 65 Milliarden Dollar. Aus 65 wurden 132 Milliarden, ohne dass sich das Geschäft in gleichem Tempo verdoppelt hätte. Im Geschäftsjahr bis März 2026 erwirtschaftete Jio einen Gewinn von 300,5 Milliarden Rupien (etwa 3,2 Milliarden Dollar) bei 1,47 Billionen Rupien Umsatz (etwa 15,5 Milliarden Dollar) – beide Werte rund 15 Prozent über dem Vorjahr. Im Juniquartal wuchs der Umsatz um knapp 12 Prozent, der Gewinn um 9 Prozent.
Der Erlös ist zweckgebunden: Bis zu 275 Milliarden Rupien (etwa 2,9 Milliarden Dollar) gehen an die Tilgung von Schulden der Tochter Reliance Jio Infocomm, der Rest in die allgemeine Unternehmenskasse. Ende Juni standen 613,7 Milliarden Rupien (etwa 6,5 Milliarden Dollar) Verbindlichkeiten in den Büchern. Der Börsengang ist damit auch eine Entschuldung – nicht nur eine Wachstumsfinanzierung.
Vom Preisbrecher zur Plattform
Jio trat 2016 in einen damals überfüllten Markt ein, mit kostenlosen Datenpaketen und Billigtarifen, und nahm Bharti Airtel, Vodafone Idea und dem staatlichen BSNL Kunden ab. Heute ist Jio der größte Telekom-Betreiber des Landes; die Plattformen bedienen nach Angaben von Managing Director Akash Ambani mehr als 540 Millionen Kunden. Die Preise liegen inzwischen auf dem Niveau der Konkurrenz, das Geschäft reicht von Breitband über Cloud bis zu KI.
Akash Ambani, der älteste Sohn, übernimmt zunehmend Verantwortung, während sein Vater die Führung an die nächste Generation übergibt. Beim Börsenstart formulierte er den Anspruch so: „Mein Traum ist, dass eines Tages, wenn die Welt ihre großen Technologieunternehmen zählt, eines davon aus Indien kommt – und dieses Unternehmen Jio Platforms Limited heißen wird."
Was der Erfolg bedeutet – und was er verdeckt
Für den indischen Kapitalmarkt ist das ein Signal: Der größte und am stärksten überzeichnete Börsengang der Geschichte zeigt, dass privates Ersparnis in großem Stil in Aktien gelenkt werden kann. Für Reliance verschiebt sich die Bewertungslast weiter auf die Telekom-Tochter, während die Mutter selbstbewertet bleibt.
Zugleich ist die Eröffnungsrally ein Bewertungsphänomen, kein Betriebsergebnis. Bei rund 100 Milliarden Dollar Umsatzbewertung und einem Wachstum im mittleren Zehnprozentbereich ist die Prämie gegenüber globalen Telekomwerten schwer allein mit dem Kerngeschäft zu rechtfertigen; sie bezahlt die Option auf KI, Cloud und Breitband. Ob diese Option einlösbar ist, entscheidet sich nicht am ersten Handelstag.




