In einem von TechCrunch veröffentlichten Interview fand Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis eine drastische Formel für die Lage Europas in der KI: 'Wir kämpfen bereits die Schlacht von gestern.' Der Satz, der es in die Überschrift des Beitrags schaffte, beschreibt eine Unruhe, die unter europäischen Regierungschefs verbreitet ist: Die politische Debatte tickt langsamer als die Technologie, die sie steuern soll.

Griechenlands Stimme hat in dieser Debatte Gewicht. Das Land hat in den vergangenen Jahren um Investitionen in Rechenzentren und Konnektivität im östlichen Mittelmeer geworben; seine Regierung gehört in der EU zu denen, die KI nicht nur regulieren, sondern auch für eine bessere Verwaltung nutzen wollen.

Der weitere Kontext ist eine Europäische Union, die zwei Impulse zugleich ausbalancieren muss. Brüssel baut am AI Act, einem der detailliertesten Regelwerke für die Technologie, und verfolgt gleichzeitig eine Wettbewerbsagenda, die den Abstand zu den USA und China verkleinern soll. Diese Spannung wurde sichtbar, als 19 Mitgliedstaaten im Rahmen des IPCEI-Mechanismus ein industrielles KI-Programm von rund 10 Milliarden Euro auf den Weg brachten — worüber dieser Dienst am 17. September berichtet hat.

Offen bleibt, ob aus der Rhetorik Beschaffung, Rechenleistung und Genehmigungen werden. Eine KI-Strategie anzukündigen ist billig; ein Rechenzentrum zu errichten, mit Strom zu versorgen und zu besetzen nicht. Genau in dieser Lücke entsteht die Rede von der 'Schlacht von gestern'.