Google hat seine experimentelle KI-App Dreambeans in Indien gestartet — dem ersten Markt außerhalb der USA — und unterstützt dort nach eigenen Angaben 13 lokale Sprachen, darunter Hindi, Punjabi, Tamil, Telugu und Bengali, zusätzlich zu Englisch. Die App ist für Android und iOS verfügbar.

Der Start erfolgt keine zwei Monate, nachdem Google Dreambeans für alle berechtigten US-Nutzer ab 18 Jahren geöffnet hat. Eingeführt wurde die App im Juni.

Was die App tut. Dreambeans wartet nicht auf einen Prompt. Sie zieht Daten aus verbundenen Google-Diensten — Kalender, Gemini, Gmail, Fotos, Suche und YouTube — und erzeugt daraus proaktiv illustrierte Geschichten über Interessen und Alltag der Nutzer. Anfangs waren die Bilder statisch; inzwischen animiert Google ausgewählte Geschichten mit seinem Videomodell Veo.

Warum Indien. Google nennt die starke Nachfrage indischer Nutzer und die weite Verbreitung der eigenen Dienste. Produktmanagerin Gozde Oznur sagte in einem Briefing, Indien habe die höchste Überschneidung von Nutzern bei Gemini, Gmail und Google Photos.

Die Zahlen sind der eigentliche Befund. Laut Schätzungen von Sensor Tower kommen die USA seit dem Start im Juni auf knapp 55.000 Downloads. Rund 63 Prozent davon entfielen auf den September, als Google die App für alle öffnete. Im Oktober fielen die Downloads dann um 84 Prozent im Monatsvergleich auf etwa 5.500.

In den ersten 30 Tagen nach der Öffnung für alle verzeichnete Dreambeans rund 29.000 Downloads — gegen 7,4 Millionen für Metas Muse, 2,8 Millionen für ChatGPT, 362.000 für Grok Bot und 155.000 für Claude im jeweiligen ersten Monat. Der Vergleich hinkt: Die anderen sind Allzweck-Assistenten, Dreambeans ist eine Geschichten-App. Aber die Größenordnung zeigt, wie schwer sich ein proaktives, datengetriebenes Format tut, das keine Frage beantwortet, die jemand gestellt hat.

Die Sprachgrenze. Nutzer können immer nur eine Sprache für ihre Geschichten wählen. Die App darf Daten aus mehreren Sprachen auswerten, aber keine Geschichten erzeugen, die Sprachen mischen — Oznur bestätigte das. In einem Markt, in dem Millionen Menschen ständig zwischen Hindi und Englisch wechseln (Hinglish), ist das eine echte Einschränkung.

Und die Privatsphäre. Die Personalisierung beruht auf Googles "Personal Intelligence", also auf Zugriff auf Dienste, die sehr sensible Daten enthalten. Nutzer können einzelne Dienste abwählen und jederzeit trennen, ihre Dreambeans-Daten in der App löschen, und laut Google verschwinden Daten, die in den verbundenen Diensten gelöscht wurden, auch aus dem Personalisierungssystem. Man kann Themen sperren, etwa Geschäfte. Die App ist nur für private Gmail-Konten gedacht, nicht für Unternehmenskonten, und erzeugte Geschichten sieht nur der Kontoinhaber.

Ein Risiko bleibt und wird von Google eingeräumt: Dreambeans kann Geschichten über Verstorbene erzeugen. Oznur verglich die Steuerung mit den Erinnerungsfiltern in Google Photos.

Was als Nächstes kommt. Google prüft, wie sich Dreambeans "handlungsfähiger" machen lässt — weg von Geschichten und Empfehlungen hin zu Vorschlägen, die Nutzer auch ausführen können. Für eine App, die niemand fragen muss, ist das der naheliegende nächste Schritt: von der Erzählung zur Tat.