Garry Tan, CEO des Startbeschleunigers Y Combinator, hat zum ersten Mal beziffert, was ihm seine Agenten kosten. „Ich gebe etwa 100.000 bis 200.000 Dollar im Jahr für Token aus", sagte er in einer Folge von Walter Isaacsons Podcast The Builders, die an diesem Dienstag erscheint.
Tan ist kein stiller Nutzer. In der Vergangenheit hat er scherzhaft von „Cyber-Psychose" gesprochen und davon, dass er manchmal kaum schläft, weil er so gern mit seinen Agenten arbeitet. Seine 23 Claude-Code-Skills hat er als „gstack" auf GitHub veröffentlicht, damit andere lernen, was Agenten können.
Was der Agent liest. Nach Tans eigener Beschreibung nicht nur Projektdateien. „Er hat alle meine E-Mails gelesen und mein ganzes Dropbox. Er hat alle meine Apple Notes gelesen, sogar meine Therapienotizen, die 20 Jahre zurückgehen", sagte er. Der Agent recherchiert Podcasts, erledigt Coding-Aufgaben — und führt sein Leben mit. Tan beschreibt ihn als „Jiminy Cricket auf der Schulter", der vorausläuft, Fragen stellt und um Ecken schaut.
Das ist der eigentliche Befund dieser Woche: Die extremste Form des Agenten-Einsatzes ist nicht die im Unternehmen, sondern die im Privatleben — und sie wird von jemandem vorgelebt, der Gründern Geld gibt.
Und bei YC selbst. Der Beschleuniger betreibt laut Tan einen internen Agenten namens Stray Light, der „so etwas wie eine Persönlichkeit" habe und ein „Company Brain": das vollständige Gedächtnis über jeden Gründer, den YC je finanziert hat, jeden, der je eine E-Mail geschickt hat, und alle Bewerbungen. Der Agent „baut die Art um, wie wir bei YC arbeiten", so Tan.
Man muss das nicht bewerten, um zu sehen, dass hier Daten zusammenlaufen, die Gründer nie für einen Chatbot gedacht haben: Bewerbungen, gescheiterte Versuche, vertrauliche Nachrichten.
Die Lehre, die er weitergibt. Man dürfe Agenten nicht wie klassische Software behandeln, sagte Tan. Wer zu sehr auf Reproduzierbarkeit und Sicherheit schaue, „handelt all die schönen Seiten der Arbeit mit einem Agenten weg, der im Grunde einem Menschen so ähnlich sein kann".
Und die Kostenfrage. Persönliche Agenten würden Mainstream, wenn ein Problem gelöst sei: „Es ist im Moment zu teuer." Er wisse, dass sein Budget „ein verrücktes Privileg" sei, das sich nicht jeder leisten könne. Kostenlose Agenten der großen Tech-Konzerne hält er nicht für die Antwort: „Das ist ein riesiges Unternehmen, das den Algorithmus kontrolliert, und wir alle wünschen uns irgendwie, dass es das nicht täte." Die Alternative sei ein persönlicher Agent, den man selbst kontrolliert und programmiert.
Zwischen den Zeilen steht ein Geschäftsmodell, das noch niemand gebaut hat: Ein Agent, der das halbe Leben einer Person gelesen hat, ist gleichzeitig das nützlichste und das heikelste Produkt, das man verkaufen kann. Wer ihn betreibt, haftet für ihn.




