Ab den 1950er-Jahren versprühten Malaria-Kontrollprogramme das Insektizid Dieldrin an den Innenwänden von Häusern, wo Anopheles-Mücken – die Überträger der Krankheit – gerne rasten. Innerhalb weniger Jahre entwickelten die Insekten eine Mutation im Gen Rdl, die sie gegen das Gift unempfindlich machte. Dieldrin wurde schließlich verboten. Die Mutation blieb – erstaunlicherweise.
Ein Ende Juli auf bioRxiv veröffentlichtes Preprint könnte erklären, warum: Dieselbe Mutation scheint die Mücken empfindlicher für Schall zu machen. Männchen können so das leise Summen der Flügelschläge von Weibchen besser orten – ein Vorteil in lauten urbanen Umgebungen, in denen empfindliche Konkurrenten Schwierigkeiten haben, Partner zu finden.
In Laborexperimenten spielten die Neurobiologin Marta Andrés vom spanischen Nationalen Forschungsrat und ihr Team Töne ab, die weibliche Flugtöne bei 300–550 Hertz nachahmten. Männchen mit der Resistenzmutation flogen signifikant häufiger zum Lautsprecher und landeten auf ihm. In Paarungstests behielten resistente Männchen auch in Brutkästen mit lautem weißem Rauschen eine Paarungserfolgsrate von rund 40 % bei, während die Erfolgsquote empfindlicher Männchen unter lauten Bedingungen von 42 % auf 33 % fiel.
Felddaten stützen die Hypothese: An sieben städtischen Standorten in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, und vier nahegelegenen Dörfern nahm die Häufigkeit der Resistenzmutation mit dem Umgebungslärm zu. Weibchen ohne die Mutation paarten sich an lauten Stadtstandorten seltener als in ruhigen Dörfern.
Die Forscher betonen, dass die Studie den Mechanismus noch nicht endgültig belegt – städtische Lebensräume unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von ländlichen, und das Gehör von Mücken ist weiterhin kaum verstanden. Die Arbeit verdeutlicht jedoch einen grundlegenden Punkt: Vor Jahrzehnten versprühte Chemikalien können die Genetik und das Verhalten wild lebender Tiere bis heute prägen. Oder wie es ein Experte formulierte: „Man nutzt ein Insektizid eine Weile... und man verändert wirklich die Genetik, und das bedeutet auch die Physiologie eines Tieres."




