Dänemarks Digitalisierungsministerium hat seinen Pilotversuch mit Collabora beendet — dem quelloffenen Büropaket, das Microsoft Office in der Verwaltung ersetzen sollte. Angekündigt wurde das Ende nicht. Es gab keine Pressemitteilung, keine ministerielle Erklärung und, nach dem öffentlich bekannten Stand, keine veröffentlichte Auswertung des Versuchs.

Der Pilot war im Sommer 2025 gestartet, angekündigt am 9. Juni von der damaligen Digitalisierungsministerin. Rund 40 Beschäftigte testeten Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen; die dänische Auslieferung und der Support kamen vom Unternehmen cBrain. Ziel war nicht nur der Nachweis, dass eine offene Suite funktioniert, sondern ob sie sich in die bestehenden Abläufe einfügt: Vorlagenkompatibilität, Dokumentenaustausch, Anbindung an das elektronische Fallbearbeitungssystem. Die Erwartung war, dass ein erfolgreicher Test andere Behörden ermutigen würde, ebenfalls über Alternativen nachzudenken.

Beendet wurde er still. Die beteiligten Beschäftigten arbeiten wieder mit Microsoft Office, ein Nachfolgeprojekt wurde nicht angekündigt, eine Roadmap für Open-Source-Einführung gibt es nicht. Golem.de berichtete zuerst über das Ende; dänische und internationale Fachmedien griffen es auf.

Gerade die fehlende Auswertung ist der eigentliche Punkt. Ein gescheiterter Pilot kann nützlich sein, wenn dokumentiert wird, woran er gescheitert ist: an fehlender Formatkompatibilität, an Makros in Fachverfahren, an Schulungsaufwand, an Supportzeiten oder schlicht an politischem Desinteresse. Ohne diese Information bleiben andere Behörden und andere europäische Verwaltungen auf Vermutungen angewiesen. Der Verdacht, der in der Berichterstattung mitschwingt — interne Widerstände, verlorenes Interesse —, ist nicht belegt, weil niemand etwas belegen muss, wenn nichts veröffentlicht wird.

Das Muster ist nicht auf Dänemark beschränkt. Europäische Regierungen verkünden Souveränitätsprojekte gern mit Sichtbarkeit und beenden sie gern ohne. Dänemark hat in den vergangenen Jahren mehrfach über Open-Source-Abhängigkeiten gesprochen; das Land ist auch Teil der europäischen Debatte darüber, wie stark die öffentliche Verwaltung an die Cloud- und Produktivitätsdienste eines einzelnen US-Anbieters gebunden sein sollte. Ein 40-Personen-Test ist kein Beweis für die Untauglichkeit freier Bürosoftware. Er ist ein Datenpunkt darüber, wie schwer solche Wechsel politisch zu halten sind.

Für cBrain ist das Ende ebenfalls ein Signal: Das Unternehmen hatte Ressourcen in eine verwaltungstaugliche Bereitstellung gesteckt und damit gezeigt, dass lokale Anbieter die Lücke zwischen offenem Code und öffentlichen Anforderungen schließen können. Für Collabora bleibt der dänische Markt offen, der Referenzfall fehlt.

Was fehlt, ist eine einfache Antwort auf eine einfache Frage: Hat Collabora die Anforderungen nicht erfüllt, oder wurde der Test nie zu Ende geführt? Solange das Ministerium dazu nichts sagt, ist die einzige belegbare Erkenntnis, dass eine Beschaffungsentscheidung ohne Begründung rückgängig gemacht wurde — und dass Microsoft Office in einem weiteren europäischen Ministerium die Voreinstellung bleibt.