Krebsmedikamente namens bispezifische Antikörper erleben ihren großen Moment. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der weltweit zugelassenen Präparate von 3 auf über 20 gestiegen, und die Medikamente spielten 2025 einen Umsatz von 18 Milliarden Dollar ein, sagt Christian Klein, der solche Therapien bei Roche entwickelte und nun seine eigene Biotech-Firma gründet.

"Bispezifische sind regelrecht explodiert", sagt Paul Carter, der bei Genentech Antikörpertherapien entwickelt. "Es gibt mehr Geschmacksrichtungen von Bispezifischen als Ben & Jerrys Eissorten." Die Moleküle binden gleichzeitig an zwei Zielproteine statt an das übliche eine, und die meisten zugelassenen Versionen sind sogenannte T-Zell-Engager, die sowohl ein Protein auf Krebszellen als auch einen Rezeptor auf T-Zellen des Immunsystems greifen und das Immunsystem so zwingen, den Tumor anzugreifen. Mindestens 12 solcher Engager sind für Krebsarten wie Leukämie und Myelom zugelassen.

Bispezifische Antikörper wurden vor mehr als 50 Jahren erstmals beschrieben, doch die erste Behandlung wurde erst 2009 zugelassen — auch weil die Produktion der Moleküle im Labor notorisch schwierig war. "Sie kamen alle als verklumpte Müllbälle heraus", erinnert sich Jamie Spangler, Bioingenieur an der Johns Hopkins University. "Mit besseren Werkzeugen und Ressourcen für die Proteinproduktion können wir diese Moleküle erträumen und wahr machen."

Dieser Erfolg — zusammen mit Fortschritten bei der Proteinproduktion und der künstlichen Intelligenz — treibt nun die Entwicklung "multispezifischer" Antikörper voran, die an drei oder mehr Ziele binden. Auf dem Drug-Discovery-and-Development-Treffen der American Association for Cancer Research Ende Juli in Boston präsentierten Forscher multispezifische Krebstherapien, die für gesunde Zellen weniger toxisch, gegen Tumore wirksamer und besser gegen die Resistenzbildung des Krebses gewappnet sein könnten.

Wissenschaftler entwerfen außerdem "Schalter", die verhindern, dass eine Therapie wirkt, bevor sie am richtigen Ort ankommt, und nutzen ein wachsendes Verständnis der Tumorbiologie, um Reaktionen zu konstruieren, die frühere Versionen nicht liefern konnten. "Wir erreichen den Punkt, an dem wir beginnen, Biologie auf einer völlig anderen Ebene zu verstehen", sagt Daniel Chen, CEO von Synthetic Design Lab. "Für das Feld der Multispezifischen kommt es letztlich darauf an, biologische Komplexität gut genug zu verstehen, um sie zu konstruieren."