Fast vier Jahre nach Beginn des KI-Booms versprechen die größten Technologiekonzerne der Welt weiterhin hohe Renditen — doch sie verbrennen dabei massiv Bargeld. Amazon, Alphabet und Tesla meldeten im jüngsten Quartal allesamt einen negativen freien Cashflow, während die Cash-Generierung von Meta im Jahresvergleich um 91 Prozent einbrach, wie eine CNBC-Analyse der Berichtssaison zeigt.
Goldman Sachs erwartet, dass die KI-Ausgaben der Tech-Giganten in diesem Jahr 765 Milliarden Dollar und 2027 fast 1,2 Billionen Dollar erreichen. Amazon hob seine Investitionsprognose für 2026 auf 220 Milliarden Dollar an — der höchste Wert unter den Hyperscalern — und meldete über die letzten zwölf Monate einen negativen freien Cashflow von 7,6 Milliarden Dollar. Alphabet gab bekannt, dass der freie Cashflow erstmals in der Firmengeschichte negativ geworden ist — ein bemerkenswerter Vorgang für eines der profitabelsten Unternehmen der Welt.
Ein wesentlicher Grund für die schneller als erwartet steigenden Kosten ist die Speicherknappheit: KI-Prozessoren sind auf Speicher einer kleinen Gruppe von Anbietern angewiesen, und die Preise explodieren. Teslas CEO Elon Musk nannte die Speicherpreise „verrückt" und dankte Micron für eine „sehr bedeutende Zuteilung zu vernünftigen Konditionen", während Amazon-Chef Andy Jassy sagte, die überhöhten Speicherpreise hätten die Investitionsprognose seines Unternehmens nach oben getrieben.
Die Reaktionen der Anleger gingen stark auseinander. Tesla und Alphabet fielen, nachdem ihr Cashflow negativ wurde; Meta verlor nach einer schwachen Prognose; Microsoft dagegen erlebte nach einem Gewinnsprung von 31 Prozent und höherer Investitionsprognose den besten Tag seit 2008. Apple — der zurückhaltendste Investor — verwies angesichts der Speicherknappheit auf „Lieferengpässe", die seine Produkte belasten.
Die Wall Street fragt zunehmend, ob sich der Ausbau auszahlen wird. JPMorgan-Strategen fragten, ob die Märkte auf „einen einzigen großen KI-Trade" setzen, und Analysten sagen, Anleger versuchten, KI-Gewinner von Verlierern zu trennen, während sich die Bilanzen verzerren. Mit Nvidias Bericht am 26. August steht die nächste Bewährungsprobe für den KI-Trade bereits im Kalender.
