Ballistic Ventures, die auf Cybersicherheit spezialisierte Wagniskapitalfirma von Ted Schlein, will 490 Millionen Dollar über zwei neue Fonds einsammeln. Das geht aus SEC-Unterlagen hervor, die das Unternehmen diese Woche eingereicht hat: 360 Millionen Dollar für den dritten Hauptfonds – dieselbe Größe wie der 2024 aufgelegte Vorgänger – und weitere 130 Millionen Dollar für ein separates Vehikel namens Ballistic Ventures Fund B. Zum Zeitpunkt der Anmeldung hatte keiner der Fonds Gelder von Anlegern eingeworben; die Zahlen beschreiben also einen Plan, nicht ein Ergebnis.

Die Firma wurde Ende 2021 gegründet. Zum Gründerteam gehören Schlein, der über zwei Jahrzehnte bei Kleiner Perkins war, der frühere Präsident von AT&T Cybersecurity, Barmak Meftah, und Roger Thornton, Mitgründer von Fortify Software und AlienVault. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Talon Cyber Security wurde von Palo Alto Networks übernommen, Pangea von CrowdStrike. Im Portfolio stehen unter anderem Armadin, GetReal, Nudge Security und Oligo Security. 2022 kam ein Debütfonds über 300 Millionen Dollar, zwei Jahre später der zweite über 360 Millionen, dazu rund 130 Millionen im Fund A.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Laut einem Bericht von JPMorgan unter Verweis auf PitchBook-Daten haben US-Cybersicherheits-Startups 2025 insgesamt 11,5 Milliarden Dollar eingesammelt – so viel wie seit 2022 nicht mehr. Und die Zusammensetzung hat sich verschoben: KI-fähige Unternehmen machten in diesem Jahr bis Mai etwa 72 Prozent der US-Deals im Bereich Cybersicherheit aus, 2019 waren es 36 Prozent.

Gleichzeitig verschärft sich die Bedrohungslage. Microsoft warnte im Digital Defense Report des letzten Monats, Angreifer nutzten KI zunehmend für Phishing, Social Engineering und die Entwicklung von Schadsoftware. Die Techniken selbst änderten sich kaum – aber Tempo und Maßstab der Angriffe schon. Für Investoren ist das eine bequeme Doppelgeschichte: KI vergrößert die Angriffsfläche und liefert zugleich das Produkt, mit dem man sie verteidigt.

Ein anderer Investor aus dem Cyber-Bereich sagte TechCrunch, die Verbindung zu Kleiner Perkins hebe Ballistic von Wettbewerbern ab; die Anlagestrategie ähnele der von Forgepoint Capital oder Ten Eleven Ventures. Ballistic selbst wollte die Pläne nicht kommentieren. Wer die Zahlen liest, sollte eine Unterscheidung im Kopf behalten: Ein SEC-Formular belegt Absicht, nicht Nachfrage. Ob 490 Millionen Dollar zusammenkommen, entscheiden in den nächsten Monaten die Limited Partner – und die sind derzeit wählerischer als in den Jahren, in denen Cyber als sicherer Hafen des Wagniskapitals galt.