Microsofts kleinster Controller kommt morgen mit einer Funktion, die das Unternehmen nicht angekündigt hat.

Der Xbox Nano, ein wiederaufladbarer Controller für 49,99 Dollar und gut fünf Zoll lang, gedacht für kleinere Hände, kann sich per WLAN direkt mit den Servern von Xbox Cloud Gaming verbinden. The Verge fand die Option in einem privaten Test der neuen Xbox-Cloud-Gaming-Website; die Kopplung läuft über die Xbox-App auf dem Handy.

Es geht um Latenz. Ein Controller, der direkt mit der Cloud spricht — derselbe Trick, den Googles Stadia-Controller nutzte — spart den Umweg über Konsole, Telefon oder den Bluetooth-Stack eines Fernsehers. Microsoft dürfte die Funktion als Preview ankündigen, bevor sie im Web und auf Smart-TVs flächendeckend unterstützt wird; The Verge erwartet denselben Funkstandard auch im kommenden Elite 3.

Es ist ein alter Plan, der spät ankommt. Microsoft wollte bereits 2024 einen Controller mit Direktverbindung zur Cloud, Codename Sebile, zusammen mit einer aufgefrischten Xbox Series X. Die Konsole wurde gestrichen, der Controller kam nie in dieser Form. Der Nano belebt ein Stück davon wieder — allerdings am unteren statt am oberen Ende der Produktlinie: Der billigste und kleinste Controller ist der erste mit einem Weg zu Microsofts Servern, der nicht über ein Microsoft-Gerät führt.

Diese Umkehrung ist die Geschichte. Das Versprechen des Cloud-Gamings lautet, dass die Hardware in der Hand unwichtig wird — aber bisher blieb das Gerät im Wohnzimmer im Pfad: eine Konsole, ein Handy als Hotspot, ein Fernseher mit App. Der Nano nimmt dieses Gerät aus der Gleichung und lässt nur noch Bildschirm, Netz und Pad übrig.

Praktisch bleibt es vorerst ein Detail für Tüftler. Die Funktion ist nicht offiziell, sie wird privat getestet, und sie setzt ein Telefon zum Koppeln sowie ein Konto voraus. Für 49,99 Dollar ist der Nano ohnehin nicht als Premium-Gerät positioniert: rechteckig, klein, für jüngere Spieler und für alle, die einen zweiten Controller in die Tasche stecken wollen. Dass ausgerechnet dieses Einsteigermodell die direkte Cloud-Anbindung bekommt, sagt etwas über Microsofts Prioritäten — der Konzern verdient am Abonnement, nicht am Controller, und jedes Gerät, das ohne Konsole Zugang zu Cloud-Titeln gibt, senkt die Einstiegshürde.

Offen ist, wie viel die Direktverbindung tatsächlich bringt. Latenz entsteht nicht nur zwischen Pad und Server, sondern auch in der Encode- und Netzwerkkette davor; Stadia hat vorgemacht, dass der Controller-Hop nur ein Teil der Rechnung ist. Messbar wird der Unterschied erst, wenn die Preview öffentlich ist.