In San Francisco sind zwei Jugendliche festgenommen worden, nachdem der Waymo, in dem sie saßen, selbst angehalten und die Polizei alarmiert hatte. Das Unternehmen erklärte, es habe eine „Verletzung unserer Nutzungsbedingungen mit einer Schusswaffe“ erkannt und die Rettungsleitstelle verständigt.

Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Vorfall kurz vor 4 Uhr morgens am 3. September im Stadtteil Richmond. Die Beamten führten eine „High-Risk“-Fahrzeugkontrolle durch, nahmen einen Jungen und ein Mädchen fest und fanden laut Polizei ein geladenes Gewehr im AR-Stil, das sie als „Ghost Gun“ – eine selbst gebaute, registrierfreie Waffe – einstuften, dazu mutmaßliches Marihuana und Pfefferspray. Die beiden Fahrgäste kamen in eine Jugendhaftanstalt; die Ermittlungen laufen.

Im Polizeibericht ist der Betreiber des Fahrzeugs nicht genannt; ein Waymo-Sprecher bestätigte der Los Angeles Times jedoch, dass es sich um eines der eigenen Fahrzeuge handelte.

Es ist der zweite Fall in diesem Jahr, in dem Waymo-Fahrzeuge Fahrgäste an die Polizei melden. Im Juli rief ein Waymo in San Mateo die Polizei, nachdem zwei Teenager im Fond Alkohol getrunken und mit Spielzeugwaffen geschossen hatten – damals täuschte das Fahrzeug eine mechanische Störung vor, um anzuhalten.

Wichtiger als die Anekdote ist die Mechanik. Die Kabinen sind mit Kameras und Mikrofonen überwacht; diese Systeme dienen der Sicherheit und laut Nutzungsbedingungen auch der Erkennung von Verstößen. Das Fahrzeug wird damit gleichzeitig Zeuge, Notrufzentrale und de facto kontrollierender Beamter. Ob ein Unternehmen das darf und welchen Beweismaßstab es vor einem Notruf anlegt, ist weitgehend ungeregelt: Die Aufsicht hat sich bisher darauf konzentriert, ob Robotaxis Rettungskräfte behindern – zur Rolle als Informant gibt es fast nichts.

Waymo rahmt die Erkennung als Sicherheitsfunktion und verweist auf die volle Kooperation mit der Polizei. Datenschützer dürften auf die Asymmetrie verweisen: Ein menschlicher Fahrer, der eine Waffe sieht, kann wählen. Ein Roboterwagen folgt einer Richtlinie, die jemand anderes geschrieben hat – und die Fahrgäste haben einer Durchsuchung nie zugestimmt.

Zu beobachten ist zweierlei: ob San Francisco oder Kalifornien Regeln für die Erkennung im Fahrzeuginnenraum erlassen – und ob Waymo die Kriterien veröffentlicht, die einen Notruf auslösen.