Volkswagen und Audi rufen in Deutschland rund 954.000 Fahrzeuge zurück – weltweit knapp 2,86 Millionen –, um eine einzelne Befestigungsschraube zu ersetzen, die korrodieren, abreißen und im schlimmsten Fall die Lenkfähigkeit kosten kann.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat den Rückruf am 22. September 2026 veröffentlicht. Betroffen sind die VW-Modelle Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran und Caddy aus dem Produktionszeitraum 24. September 2013 bis 1. Juli 2024 sowie der Audi Q3, gebaut zwischen 31. Oktober 2017 und 23. Mai 2024. Bei Volkswagen sind weltweit 2.159.054 Fahrzeuge betroffen (895.832 in Deutschland), bei Audi 696.547 (58.555 in Deutschland). Das KBA führt die Aktionen unter den Referenznummern 17016R (Volkswagen, Herstellercode 48VS) und 17014R (Audi, 48LG).

Wie aus einer Schraube ein Lenkungsausfall wird

Betroffen ist die rechte Befestigungsschraube, welche die Zahnstangenlenkung mit dem Vorderachsträger verbindet. Über die Lebensdauer eines Fahrzeugs kann Feuchtigkeit in diesen Bereich eindringen. Zusammen mit Sauerstoff und Streusalzrückständen kann Korrosion entstehen, die den wirksamen Querschnitt der Schraube verringert. Unter wiederholter hoher Belastung – vor allem beim langsamen Rangieren und Einparken – kann der geschwächte Schraubenkopf abreißen.

Ein abgerissener Kopf bedeutet nicht sofort den totalen Lenkungsausfall: Das Lenkgetriebe bleibt zunächst an einem zweiten Befestigungspunkt mit dem Vorderachsträger verbunden. Wird diese verbleibende Verbindung weiter belastet, kann jedoch auch das Gehäuse des Lenkgetriebes brechen – und dann ist die Lenkfähigkeit weg. Verlässliche Vorwarnzeichen nennen weder KBA noch Hersteller. Ungewöhnliches Spiel, ein verändertes Lenkgefühl oder Knack- und Schlaggeräusche aus dem Vorderachsbereich könnten hindeuten; bei solchen Symptomen sollte das Fahrzeug nicht weiter bewegt, sondern geprüft oder abgeschleppt werden.

Die Abhilfe – und was Halter tun sollten

In der Werkstatt wird die bisherige Schraube durch eine korrosionsbeständigere Variante ersetzt. Für den parallel laufenden US-Rückruf beschreibt Volkswagen eine Schraube mit hoch korrosionsbeständiger Polymerbeschichtung; ob exakt dieselbe Ausführung im deutschen Rückruf zum Einsatz kommt, geht aus den verfügbaren KBA-Unterlagen nicht eindeutig hervor, und technische Angaben zu Werkstoff, Festigkeitsklasse oder Anzugsdrehmoment hat Volkswagen für den deutschen Markt bislang nicht veröffentlicht. Die Reparatur dauert laut Medienberichten etwas mehr als eine Stunde und ist für Halter kostenlos.

Volkswagen schätzt, dass bei nur etwa einem Prozent der einbestellten Fahrzeuge die Schraube bereits gefährlich gerostet ist; die große Menge erklärt sich durch die vorsorgliche Erfassung aller Fahrzeuge mit einer bestimmten Bauteil- und Produktionskonstellation. Das KBA teilte mit, dass bislang keine Sach- oder Personenschäden im Zusammenhang mit dem deutschen Rückruf bekannt sind – was allerdings nicht beweist, dass ein Ausfall technisch ausgeschlossen wäre.

Halter dürfen die betroffenen Fahrzeuge bis zum Werkstatttermin grundsätzlich weiter bewegen, sollten aber zeitnah einen Termin vereinbaren, unnötige Fahrten vermeiden und enge Wendemanöver meiden. Entscheidend ist die 17-stellige Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) im Feld E der Zulassungsbescheinigung Teil I – Baujahr oder Erstzulassung allein reichen nicht aus. VW-Halter erreichen die Kundenbetreuung unter 0800 8655792436 (Rückrufcode 48VS), Audi-Q3-Halter unter 0800 28 347 378 423 (48LG); jede Vertragswerkstatt kann die FIN prüfen. Bei Gebraucht- und Importfahrzeugen bleibt die FIN gleich, die Zuordnung funktioniert also auch nach einem Halterwechsel – Verkäufer sollten neue Besitzer über einen offenen Rückruf informieren.

Wer einen sicherheitsrelevanten Rückruf ignoriert, riskiert Konsequenzen: Das KBA kann Fahrzeugdaten an die Zulassungsbehörde übermitteln, die eine Betriebsuntersagung nach §5 Fahrzeug-Zulassungsverordnung aussprechen kann. Nach einem Unfall kann ein nicht erledigter Rückruf zudem für Haftungs- und Versicherungsfragen relevant werden.