Lädt ein Tesla, ist der Stecker im Port verriegelt und der Wagen schaltet erst in den Fahrbetrieb, wenn das Kabel gelöst ist – normalerweise eine vernünftige Sperre. Im August, so lernten es die Besitzer, wird sie im Notfall zur Falle.

Damals eröffnete ein Schütze an einer Supercharger-Station in Twin Falls, Idaho, das Feuer: Vier Menschen starben, sieben wurden verletzt – darunter ein Tesla-Fahrer, der gerade lud. Wer mitten im Ladevorgang fliehen wollte, musste erst aussteigen, zum Ladeport gehen und den Griff lösen. Die Besitzer forderten von Tesla eine Schnellentriegelung.

Diese Woche antwortete Tesla mit einem Software-Update. Die neue Funktion „emergency drive away" erlaubt es, die Ladeverriegelung zu übergehen und mit angeschlossenem Griff loszufahren. Beim Einlegen der Fahrstufe erscheint ein Hinweis, der bestätigen lässt, dass man weg muss; danach bricht der Griff ab und fällt zu Boden. Fahrzeug und Ladegriff nehmen Schaden – weshalb Tesla betont, die Funktion sei nur für Notfälle. „Vorsätzlicher Missbrauch zieht zusätzliche Sanktionen nach sich", hieß es auf X, ohne die Sanktionen zu benennen. Verfügbar ist die Funktion „vorerst" nur in den USA.

Die Schießerei erwähnte Tesla nicht, doch der Zusammenhang ist kaum zu übersehen – und der Rahmen ist auffällig amerikanisch: The Verge verweist auf geschätzt 500 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz in den USA.

Die Idee ist nicht neu. 2024 baute das Start-up EVject einen abreißbaren Adapter, mit dem man einen Supercharger verlassen konnte, ohne auszusteigen. Tesla klagte und erklärte, Tests hätten eine Überhitzungsgefahr gezeigt. Der Autobauer zog die Klage später im Jahr zurück, EVject hielt sein Produkt für sicher. Teslas eigene Lösung kommt als eingebaute Softwarefunktion statt als Zubehör – und erinnert daran, dass manche Sicherheitsupdates ebenso von der Waffengewalt eines Landes geprägt sind wie von seiner Technik.