Physics World stellt eine Frage, die sich immer mehr Regionen mit Wasserstress ernsthaft stellen: Wann rechnet sich solarbetriebene Entsalzung tatsächlich? Die kurze Antwort lautet, dass es weniger von der Sonne abhängt als von allem, was an ihr hängt.

Entsalzung ist im Kern ein Energieproblem. Umkehrosmose, die dominierende Technologie, braucht nur wenige Kilowattstunden, um aus Meerwasser einen Kubikmeter Süßwasser zu machen — eine Zahl, die handhabbar klingt, bis sie mit einer Stadt multipliziert wird. Strom ist in den meisten Anlagen der größte Betriebskostenposten, weshalb billige solare Erzeugung auf den ersten Blick perfekt passt: kostenloser Brennstoff, keine Emissionen und eine Anlage, die produziert, wenn die Sonne scheint.

Der Haken ist, dass die Sonne nach einem Zeitplan scheint, den das Wassersystem nicht teilt. Die Nachfrage spitzt sich morgens und abends zu, die Solarerzeugung mittags — und nachts verschwindet sie ganz. Diese Lücke zu schließen bedeutet Speicherung: Batterien, thermische Masse oder ein Reservoir bereits aufbereiteten Wassers. Genau dort entscheidet sich meist, ob sich eine autarke solare Entsalzung rechnet. Eine Anlage mit großem Trinkwassertank und bescheidener PV-Leistung ist eine völlig andere Investition als eine, die Batterien kauft, um durch die Nacht zu kommen.

Den Rest macht der Standort. Hohe und stabile Einstrahlung, eine wirklich knappe und damit teure alternative Wasserquelle, günstiges Land, beherrschbare Sole-Entsorgung und ein stabiles Netz als Backup — das ist die Kombination, die funktioniert. Nimmt man die teure Alternative weg, etwa eine Küstenstadt mit billiger, verlässlicher Oberflächenwasserversorgung, wird dasselbe Solarmodul-Feld schwer zu rechtfertigen, so günstig die Module auch geworden sind.

Nichts davon macht solare Entsalzung zu einer schlechten Idee. Es macht sie zu einer lokalen statt einer universellen Rechnung. Die interessante Frage lautet nicht, ob die Sonne Wasser entsalzen kann — offensichtlich kann sie das —, sondern ob sie an diesem Ort, zu diesem Preis, mit dieser Speichermenge die Alternativen schlägt. Diese Frage hat jedes Mal eine andere Antwort.