Eine neue DNA-Studie hat eine bemerkenswert komplexe biologische Spur offengelegt, die auf dem Turiner Grabtuch erhalten ist – einer der am besten untersuchten und zugleich umstrittensten Reliquien der Welt.
Die in Scientific Reports veröffentlichte Forschung ist die erste, die eine strenge PCR-freie Sequenzierung der nächsten Generation auf die offiziellen Leinenproben von 1978 anwendet. Das internationale Team, dem auch Professorin Noemi Procopio von der University of Lancashire angehörte, entdeckte mehrere menschliche mitochondriale DNA-Linien sowie ein vielfältiges Mikrobiom aus Bakterien, Pilzen und salzliebenden Archaeen.
In den Fasern fanden sich zudem DNA von Kulturpflanzen – Weizen, Karotten, Mais, Bananen und Erdnüsse – sowie von Haustieren wie Rindern, Schweinen, Hühnern, Hunden und Katzen, sogar von mediterraner Rotkoralle. Diese Signaturen deuten auf Umgebungen, Gegenstände und Menschen hin, mit denen das Tuch über Jahrhunderte von Handhabung, Lagerung und Reisen in Berührung kam.
Die Ergebnisse beweisen weder das Alter noch die Echtheit des Grabtuchs. Da das Tuch jahrhundertelang angefasst und Umwelteinflüssen ausgesetzt war, sei es unmöglich, ursprüngliche DNA zu isolieren, so die Forscher. „Das Grabtuch stellt ein reiches Archiv genetischer Informationen dar, die sich über Jahrhunderte menschlicher Interaktion und Umwelteinwirkung angesammelt haben“, sagt Procopio. „Fortschritte der Forensik können neue Erkenntnisse aus historischen Artefakten gewinnen.“




