Enterprise-Cloud-Programme haben ein wiederkehrendes Scheitern, und heises Bericht über SAP-Migrationen bringt es auf einen Satz: „SAP kümmert sich.“ Das Problem ist nicht, dass Anbieter zu wenig tun. „Der Anbieter führt die Migration durch“ und „der Anbieter darf Ihre Entscheidungen treffen“ sind zwei sehr verschiedene Verträge – und Organisationen unterschreiben regelmäßig den ersten und erwarten den zweiten.

Eine Cloud-ERP-Migration ist kein Lift-and-Shift, sondern eine Neuplattformierung: jedes Custom-Objekt, jede Schnittstelle, jedes Identitäts-Mapping ist eine Entscheidung darüber, was das Geschäft behält. Diese Entscheidungen gehören dem Geschäft, nicht dem Implementierungspartner – welcher Custom-Code (die Z-Objekte) überlebt, welche Schnittstellen ersetzt werden, wer den Cutover-Test besitzt, wer Data Residency abzeichnet.

Geteilte Verantwortung ist die Falle selbst. Im Cloud-Modell verschiebt sich die Grenze: Der Anbieter besitzt die Plattform, Sie behalten Konfiguration, Erweiterungen, Identitäten und Datenklassifizierung. Eine Migration abzugeben verschiebt diese Linie nicht – sie macht sie nur unsichtbar, bis etwas bricht.

Daraus folgt die Kosten- und Terminrealität, die niemand in der Ausschreibung sieht: Versprechen mit festem Scope prallen auf gewachsenen Custom-Code, und die Rechnung kommt später als Erweiterungsprojekt zurück. Der Satz „SAP kümmert sich“ ist deshalb nicht falsch, sondern unvollständig – und die Lücke füllt sich mit Nacharbeit.

Die To-dos sind langweilig und wirksam: pro Arbeitsstrom einen internen Owner benennen, vor der Unterschrift ein Inventar des Custom-Code erstellen, im Vertrag festhalten, wer entscheidet, den Cutover mit eigenen Daten testen und akzeptieren, dass „später“ teurer ist.

Der Satz ist genau deshalb gefährlich: Er fühlt sich wie Delegation an und funktioniert wie Abdankung. Wer ihn im Projektmeeting hört, sollte nicht widersprechen, sondern eine Frage stellen – welche Entscheidung genau liegt ab heute bei wem?