Um nicht bei einem wenig engagierten Partner zu landen, hören manche Weibchen auf Warnsignale im Gesang ihres Freiers. Männliche Trauerschnäpper verändern ihren Gesang nach der Paarung, und Weibchen nutzen diese Merkmale, um zu erkennen, ob ein Männchen bereits vergeben ist — berichten Forschende um die Ethologin Helene Lampe von der Universität Oslo in einer am 1. Juli in Ethology veröffentlichten Studie.
Trauerschnäpper-Männchen legen nach der Eiablage ihrer ersten Partnerin oft ein zweites Nest mehrere hundert Meter entfernt an und umwerben vorbeiziehende Weibchen. Die Einsätze sind hoch: Ein Männchen, das seine Zeit auf zwei Nester verteilt, hilft weniger bei der Aufzucht der Jungen. Frühere Studien zeigten bereits, dass die meisten Weibchen es bevorzugen, sich mit einem unverpaarten Männchen niederzulassen.
Das Team nahm 17 wilde Männchen zweimal auf — einmal als Junggesellen und erneut nach der Paarung, wenn sie ein zweites Revier ansteuerten. Mit bioakustischer Software fanden sie zwei Veränderungen: Die Gesänge wurden kürzer (von etwa zwei Sekunden auf rund 1,7 Sekunden), und die Männchen wiederholten sich weniger. „Normalerweise durchläuft ein Männchen seine Silben geordnet — ein oder zwei Silben werden von Lied zu Lied wiederholt“, erklärt Lampe. „Bei polyterritorialen Männchen passiert das viel seltener.“
Die verringerte Silbenwiederholung könnte eine „territoriale Rausschmiss-Signalisierung“ an Rivalen sein, sagt Stephen Nowicki von der Duke University, der nicht an der Studie beteiligt war. Die kürzeren Gesänge wiederum könnten ein Trick sein, um der ersten Partnerin zu entgehen: Frühere Forschung zeigte, dass das erste Weibchen den Gesang ihres Partners erkennt und herbeifliegt, um andere Weibchen zu vertreiben — kürzere Gesänge senken die Chance, beim „Betrügen“ ertappt zu werden.
Um zu testen, ob Weibchen den Unterschied hören, spielte das Team Aufnahmen von Single- und verpaarten Männchen in großen Freigehegen ab. Die meisten Weibchen (21 von 29) besuchten häufiger den Nistkasten neben dem Lautsprecher mit dem Junggesellen-Gesang. Diese Präferenz verschwand, als die Forschenden den Junggesellen-Gesang so bearbeiteten, dass er dem eines verpaarten Männchens glich. Nowicki möchte jedoch ein gutes Wort für die Männchen einlegen: Sie als „Betrüger“ zu bezeichnen, mache sie zu kleinen Machiavellisten, obwohl sie gar nicht täuschen wollen. „Es ist einfach Selektion, die auf sie einwirkt, um ihren Fortpflanzungserfolg zu steigern.“




