Eierstockkrebs wird fast immer mit platinbasierter Chemotherapie behandelt, und viele Patientinnen sprechen zunächst gut an. Doch die Krankheit kehrt bei den meisten Patientinnen zurück und breitet sich fast immer in der Bauchhöhle aus — und diese Ausbreitung, Metastasierung genannt, ist für rund 90 % der Todesfälle durch die Erkrankung verantwortlich.

Eine neue Studie des Wistar Institute, veröffentlicht in Nature Aging, hat einen unerwarteten Zusammenhang zwischen Fruktose — einem gewöhnlichen Nahrungszucker — und dieser tödlichen Ausbreitung aufgedeckt. Krebszellen, die eine Chemotherapie überleben, teilen sich nicht mehr, bleiben aber biologisch aktiv und geben Moleküle ab, die Nachbarzellen signalisieren. In einem eigens entwickelten Experiment sammelten die Forscher diese Moleküle und fanden heraus, dass sie allein die Ausbreitung der Krebszellen deutlich verstärkten.

"Soweit wir wissen, wurde erstmals in einem präklinischen Modell und nicht nur in der Petrischale gezeigt, dass es die Moleküle sind, die diese Zellen freisetzen — nicht die Zellen selbst —, die die Ausbreitung des Krebses vorantreiben", sagte Erstautor Aidan Cole, Ph.D. Der zentrale Botenstoff entpuppte sich als Fruktose: Überlebende Zellen stellen sie her und senden sie als Signal zur Ausbreitung. Bemerkenswert: Auch ohne Chemotherapie kann der Konsum hoher Fruktosemengen — wie in zuckerhaltigen Getränken — dasselbe Signal auslösen; in den USA macht Maissirup mit hohem Fruktosegehalt bei manchen Menschen rund 8–20 % der täglichen Kalorienaufnahme aus.

Das Team ging dann der Frage nach, warum Fruktose Krebszellen zur Ausbreitung bringt. Mittels CRISPR-Screen und weiteren groß angelegten Analysen zeigte sich: Fruktose unterdrückt die Cholesterinproduktion in Nachbarzellen. Cholesterin wirkt normalerweise wie ein biologischer Klebstoff, der Zellen zusammenhält; mit weniger Cholesterin lösen sich Zellen leichter. Das hat klinische Implikationen: Statine, die in den USA von rund 39 Millionen Menschen eingenommen werden, senken ebenfalls den Cholesterinspiegel — und das Team fand, dass Statine allein den Klebstoff schwächten und die Flucht begünstigten. Nun wird untersucht, ob diese Medikamente die Chemotherapie beeinträchtigen könnten — mit der ausdrücklichen Warnung, dass Patientinnen ihre Medikamente nicht absetzen sollten.

"Wir haben diesen Effekt noch nicht bei Patientinnen getestet, aber er wirft Fragen zur Kombination von cholesterinsenkenden Medikamenten mit Chemotherapie auf, gerade weil Eierstockkrebs am häufigsten bei postmenopausalen Frauen auftritt, die oft bereits Statine einnehmen", sagte Seniorautorin Katherine Aird, Ph.D. Die Forscher vermuten, dass sich andere Krebsarten, die sich im Rumpf ausbreiten — Bauchspeicheldrüse, Darm, Leber — ähnlich verhalten könnten, und planen Folgestudien, um den Mechanismus breiter zu testen.