Microsoft hat nur noch vier Jahre Zeit, um sein ambitioniertes Ziel zu erreichen, mehr klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen, als es ausstößt. Doch der jährliche Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens zeigt: Es bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung — die Emissionen des Jahres 2025 stiegen um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Insgesamt produzierte Microsoft 2025 rund 34 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent; nach Abzug der bezahlten Entnahmen aus der Atmosphäre bleiben netto etwa 20 Millionen Tonnen — ungefähr so viel wie die Gesamtemissionen von Panama oder Litauen. Der Stromverbrauch des Konzerns wuchs im Jahresvergleich um 24 Prozent.

Trotz des Anstiegs bleiben die Verantwortlichen zuversichtlich. „Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, bis 2030 CO2-negativ zu sein“, sagte Melanie Nakagawa, Chief Sustainability Officer, gegenüber GeekWire.

Der wichtigste Treiber ist der Ausbau energiehungriger KI-Datenzentren. Microsoft beendete außerdem den Kauf kurzfristiger, ungebündelter Ökostromzertifikate (RECs) — ein Instrument, mit dem Unternehmen ihre gemeldeten Emissionen schnell senken können — und setzt stattdessen auf langfristige Maßnahmen mit größerer Wirkung. Auch andere Tech-Konzerne fallen hinter ihre Klimaziele zurück: Amazons CO2-Fußabdruck stieg um 16 Prozent, die Emissionen von Google um 18 Prozent.

Es gibt auch Fortschritte: Microsoft gleicht seinen weltweiten Stromverbrauch mit sauberen Energiequellen ab, hat erstmals mehr Süßwasser wiederaufgefüllt als es entnommen hat, erreicht eine Wiederverwendungs- und Recyclingquote von 92 Prozent für ausgemusterte Cloud-Server und hat Stromabnahmeverträge über 40 Gigawatt in 26 Ländern geschlossen.

Gleichzeitig wächst die Kritik: Im vergangenen Monat vereinbarten Microsoft und Chevron den Bau einer Erdgasanlage in Texas mit 2,67 Gigawatt Leistung, die das Unternehmen 20 Jahre lang mit Strom versorgen soll. Bloomberg berichtete zudem, Microsoft erwäge, sein Versprechen einer rund um die Uhr CO2-freien Stromversorgung bis 2030 abzuschwächen; die New York Times meldete, das Unternehmen pausiere den Kauf weiterer CO2-Entnahme-Zertifikate. Nakagawa sagte, man prüfe die einzelnen Deals weiterhin sorgfältig.